Interview mit Yngwie J. Malmsteen

Der in Schweden geborene Yngwie J. Malmsteen mischte in den frühen 80zigern die L.A. Gitarrenszene auf. Es dauerte nicht lange, bis sich sein Können herumsprach, und der Virtuose zum König des Shred gekrönt wurde. Yngwie verließ die kalifornischen Bands Steeler und Alcatraz, und starte schließlich eine Solo-Karriere, die die bahnbrechenden Alben Rising Force und Marching Out hervorbrachte. Seit Edward Van Halen hatte kein Gitarrist mehr so einen Einfluss. Es scheint, als hätte Yngwie jeden Gitarristen, der seine Wege kreuzte, entweder inspiriert oder deprimiert.

Auch heute noch lehrt Yngwie Gitarristen das Fürchten. Sein ihm eigener neoklassischer Gitarrenstil ist voll von locker gespielten harmonisch-moll, aeolischen und phrygischen Speed-Scales, melodischen Patternsequenzen, mühelosen Pedal Tones und fließenden Arpeggien, die für Blasen an den Fingern sorgen.

PowerOn flog zu Malmsteens Hauptquartier in Miami und saß ihm in seinem Homestudio gegenüber.

Du warst sehr fleißig dieses Jahr. Du kommst gerade von der G3 Tour mit Steve Vai und Joe Satriani, und Du hast eine neues Album veröffentlicht, Attack. Nach dieser erfolgreichen Tour bist Du bestimmt glücklich wieder zu Hause in Deinem Studio zu sein?
Yngwie: Yeah, das Baroque&Roll Studio. Ich bin wirklich gesegnet damit. Schließlich habe ich vor 30 Jahren eine Gitarre in die Hand genommen und wollte so wie Ritchie Blackmore sein. Du sagst, das ich extrem busy war, aber eigentlich hatte ich nur eine gute Zeit. Ich schreibe Songs, schreibe Texte, ich nehme auf, ich toure.
Neben den Dingen für die Du berühmt bist – Super Speed, Pedal Tones, fantastische Skalen, Arpeggios – ist Dein Vibrato makellos. Die Power aus nur einer Note, a la Clapton and B B King...
Yngwie: Ich bin ein großer Fan von Clapton und B. B. King. Ich glaube, das B. B. King vielleicht einer der besten Gitarristen ist, der jemals lebte, weil bei Ihm eine Note soviel wie eine Million Malmsteen Noten wert sein kann. Ich bin froh das sagen zu können. Ich habe mich sehr, sehr lange um Technik bemüht. Aber Technik heißt nicht nur schnell zu spielen. Sondern das auch manchmal nur die eine Note zählt, weißt Du? Es ist die Kombination aus einem schnellen Arpeggio über 5 oder 6 Saiten, um dann auf einer großen, langen Note zu landen und diese zu halten. Und ich verlasse mich nie auf mein Tremolo-Bar. Ich benutze es kaum. Es ist da, aber ich bin mehr ein Typ fürs Finger-Vibrato.
Hilft Dir ein scalloped Griffbrett dabei?
Yngwie:
Das scalloped Griffbrett dient nur einem Zweck, nämlich mehr Kontrolle über die linke Hand bei langsamen Noten zu bekommen. Schnelle Noten, wenn Du z.B. Speed-Scales spielen willst, werden sogar schwieriger. Zusätzlich habe ich die Saitenlage recht hoch eingestellt, ich mag keine niedrigen Saitenlagen. Steve und Joe, ich liebe sie, sie sind echt großartig, aber ich habe ihre Gitarren gespielt – und ich habe Brian May’s Gitarre gespielt; Brian ist auch einer meiner Heros – und alle haben sie die Saiten so tief wie möglich eingestellt. Ich habe immer das Gefühl, das, wenn du das machst, das Gitarrespielen sehr viel leichter fällt, aber du im Gegensatz dazu etwas verlierst, weil eine Saite schwingen können muss. Wenn du einen Klavierton hörst, gibt es da nichts was die Schwingung der Note stören kann. Es befindet sich kein Griffbrett darunter. Bei einer Geige oder einem Cello bekommst du das Sustain über die Länge des Bogenstriches. Wenn du eine Note auf der Gitarre anschlägst, musst du eine hohe Saitenlage haben, was das Spielen schwieriger macht, besonders wenn der Hals gescalloped ist. Denn dann wird es richtig schwierig!
BOSS feiert den Verkauf seines 8-millionsten Bodenpedals in diesem Jahr. Erinnerst Du Dich an Dein erstes BOSS-Pedal?
Yngwie:
Das war 1977 oder 78. Ich probierte ein Roland DC-10 Analog Echo und besitze es noch heute. Und ich benutze es für diesen Sound (er imitiert ein Echo). Wo wir von BOSS Pedalen sprechen, ich werde nie die Zeit um 1993 vergessen, als ich ein Hush Noise-Gate im Rack hatte, und es nie mochte, tut mir leid das sagen zu müssen. Aber wenn ich es nicht gehabt hätte, wären die Nebengeräusche einfach zu laut gewesen. Eines Tages kam ich zum Soundcheck und mein Gitarrentechniker sagte mir nichts, aber offensichtlich funktionierte es nicht mehr. Es war kaputt. Ich wusste jedoch nichts davon. Ich ging zum Soundcheck und der Marshall war leise wie nie. Wie noch nie! Mein Techniker war bei einem örtlichen Händler und hatte ein BOSS NS-2 in das System eingebaut, ohne es mir zu sagen. Ich sagte:“ Mein Gott, ich kann es nicht glauben!“. Das kleine Ding ist unglaublich. Aber das erste BOSS Teil war eigentlich ein Octaver, das OC-2
Was war der Grund für den Kauf?
Yngwie: Ich wollte ein Mutron, aber konnte es mir nicht leisten, also kaufte ich mir den BOSS Octaver, weil ich wirklich diesen tiefen, fiesen Sound mochte. Ich benutze immer schon Roland und BOSS Pedale, aber das OC-2 ist das Erste von BOSS was ich mir je gekauft habe.
Es klingt als würdest Du wirklich auf Deinen BOSS NS-2 Noise Supressor stehen.
Yngwie: Es war wirklich eine Offenbarung zu merken, das man dieser kleinen weißen Kiste mit  9V-Batterie dieses 2000$ Ding wegblasen konnte. Das war ein Riesenunterschied. Was den Sound angeht, war ich nie so sehr der „Effekttyp“. Mich interessierte immer mehr der Ton,  der pure Sound. Aber die Nebengeräusche loszuwerden war wie ein frischer Wind, sehr cool, und ich kaufe BOSS Pedale nun seit Jahren, weil sie großartig sind!
Dein Konzert mit den New Japan Philharmonikern ist atemberaubend. Hast Du dafür Dein BOSS NS-2 benutzt?
Yngwie: Na klar, ohne mein NS-2 gehe ich nicht aus dem Haus.

Du spielst auch über unser CS-3 Compressor/Sustainer Pedal. Wofür benutzt Du es?
Yngwie: Ich habe es für meine Akustikgitarre, meine Ovation, benutzt, und ich nehme es manchmal um den Bass aufzunehmen. Ich stehe auf extreme Kompression – soviel Kompression wie ich bekommen kann, weißt Du – und das bedeutet automatisch Marshall. Wenn ich also Bass, Akustikgitarre oder Sitar spiele, benutze ich immer ein Mikrofon und einen Kompressor, normalerweise den CS-3.
Auf Deiner neuen Veröffentlichung, Attack, benutzt Du einen Roland GR-33 Gitarren-Synthesizer bei Valley Of The Kings. Kannst Du beschreiben, wie Du ihn benutzt?
Yngwie: Vor 12 Jahren brauchte ich einen Keyboarder und einen Drummer für meine Roland R-8 MKII, eine nervige Drummachine! Der Keyboarder und ich hatten einen Streit und am Ende ich hing ganz alleine in meinem Studio. Ich schrieb an Songs wie Stronghold und Attack – gute Riffs, wen ich das mal so sagen darf. Aber irgendetwas fehlte, also ging ich in einen Laden, und was tat ich? Ich kaufte einen Gitarren-Synthesizer, weil ich hören wollte wie es klingt, wenn ein Keyboarder wie Derek Sherinian etwas Interessantes spielen würde. Und ich hatte ja niemanden dafür. Ich wollte nur etwas hinzufügen, das mir hilft mit den Vocals und Texten weiterzukommen. Ich habe all das Zeug geschrieben – ich habe echt alles geschrieben.
Wir hören Tabla Drums im Intro und am Ende von Valley Of The Kings – sind die vom GR-33?
Yngwie: Ich spielte das tiefe E, und boom! Das war alles. Und dann machte ich ein Overdub mit einem Flötensound. Aber ich habe viel Musik mit dem GR-33 gemacht und arbeite immer noch damit. Ich habe kein Keyboard, nur ein Roland R-8 und ein GR-33 Gitarrensynthesizer.
Das letzte Mal als wir Dich besuchten, haben wir den neuen GR-20 Synthesizer mitgebracht.
Yngwie: Ich sage euch worauf ich wirklich scharf bin – diese Solovioline. Ich kann es kaum abwarten einen GR-20 zu besitzen.
Diese Woche erstellen wir Patches für den BOSS GS-10. Die User könne die Patches dann von unserer Website downloaden. Dein Sound basiert auf Marshalls, Du hast also einige der Stack-Models benutzt. Das kleine BOSS GS-10 kannst Du mit „On The Road“ nehmen – wirst Du das tun, und warum?
Yngwie: Oh yeah, ich werde ihn als Warm-up Amp vor der Show verwenden. Natürlich! Absolut. Er hat ne Menge Gain. Ich habe viele solcher Geräte probiert, doch dieses ist wahrscheinlich das Beste. Ich mag es sehr!
Deine Musik ist tief in klassischer Tradition verwurzelt, aber sie ist voller Improvisation und mit vielen anderen Elementen gespickt. Wie findest Du die richtige Balance?
Yngwie: Ich benutze einen Ausdruck – ich werde mir das patentieren lassen, nein, in Wahrheit habe ich schon das Patent – „Improvisation ist der Ursprung der Komposition“. Wenn du nicht improvisierst, wird nicht Neues kommen. Du kannst der Beste klassische Instrumentalist der Welt sein, und doch spielst du immer etwas was es schon gibt. Ich vergleiche mich manchmal mit Wyle E Coyote. Ich springe über die Klippe, und hoffe auf einen kleinen Ast, an dem ich mich wieder hochziehen kann. Ich tue immer das, von dem ich glaube, das ich es nicht kann. Manchmal klappt es, manchmal nicht, aber wenn man es nicht ausprobiert...
Also so wie Deine Abenteuer in die Welt der Gitarrensynthesizer, immer auf der Suche nach etwas Neuem?
Yngwie: Lass uns zurückdenken an die Concerto Suite. Deep Purple hatten 1968 ein tolles Stück für eine Rock Band mit Orchester. ELP machten etwas ähnliches, und dann Metallica. Meine Idee war vielmehr ganz aus der Rock’n’Roll Welt auszusteigen und in die Welt der Klassik einzutauchen, in der ich ein Stück komponiere und als Solist aufführe. Keine Rock’n’Roll Riffs, Schlagzeug, Vocals – nichts. Nur ich und das Orchester. Glaub mir, das war eine große Herausforderung, aber ich hatte beschlossen, genau das zu tun. Also tat ich es, und werde es auch weiterhin tun.
Du hast unser Equipment von Anfang an benutzt und wir möchten Dir für diesen 30-jährigen Support danken. Hast Du ein paar Abschlussworte für alle Gitarristen und Fans?
Yngwie: Ich möchte euch Jungs bei BOSS und Roland danken, und zwar vom Grunde meines Herzens für a) die Entwicklung dieses tollen Equipments, das mich so weit nach vorne gebracht hat, und b) weil ihr so nett zu mir seid. Ich bin an einer langen Beziehung interessiert und wir fangen gerade erst an. Und noch ein Dankeschön an alle.

Text: Johnny DeMarco