Interview mit Drummer Neil Primrose und Keyboarder Jeremy Procter von Travis
Text: Jordan McLachlan

In Zeiten von Playback-Auftritten, Millionen Dollar Videos und Teen Pop-”Sensationen” ist es wirklich erfreulich zu sehen, dass eine Band nur aufgrund ihrer Musik riesigen Erfolg hat. Ohne Hype und einstudierte Posen haben Travis genau dies in nur ein paar Jahren erreicht. Ihr Talent für eingängige Melodien hat ihnen eine große Fangemeinde beschert, die jetzt ungeduldig auf das vierte Album wartet.

Zur Zeit müssen wir allerdings auf die vier verzichten. Den Rest des Jahres 2002 machen sie eine wohlverdiente Pause, um Ideen für die nächste LP zu sammeln und die Dinge generell etwas entspannter zu sehen, als es die letzten 3 Jahre möglich war.

Als wir Drummer Neil Primrose für dieses Interview bei seinen Vaterpflichten unterbrachen (er windelte gerade seine Tochter), beeilte er sich darauf hinzuweisen, dass er das Gefühl habe, jetzt noch beschäftigter zu sein, als mit der Band. Naja - wenn man neben der Familie und der einen oder anderen Stunde am Schlagzeug das gelegentliche Wochenende an Auto-Rallyes teilnehmen will, ist dies nicht überraschend.
Keyboarder und fünftes Travis-Mitglied Jeremy Procter liegt ebenfalls nicht auf der faulen Haut. Ein Dance-Projekt mit Travis-Techniker Kevin Slaney und Percussion-As Jody Linscott hält ihn im Studio auf Trab, aus dem er für die Festival-Termine der Band im Sommer wieder auftauchen wird...

Es sieht aus, als hättet ihr beide im Moment jede Menge Arbeit...
Neil Primrose: “Absolut. Ich neige dazu, mich komplett in Dinge hineinzustürzen. Wenn ich etwas anfange, muss ich es richtig machen. Dies ist auch mit dem Rallye-Fahren so. Es ist recht schwierig zu lernen, aber ich bin wild entschlossen, es durchzuziehen und in den nächsten fünf Jahren besser und besser zu werden. Ich war schon immer Auto-verrückt, deswegen ist dies genau das Richtige für mich. Und- passenderweise ist eines meiner nächsten Projekte ein Soundtrack für ein Playstation Rallye-Spiel, welchen ich mit einem schwedischen Produzenten aufnehmen

werde. Wir wollen es ein wenig schräge machen - lebendiger und organischer als die meisten Spiele--Soundtracks. Das passt ganz gut zu meiner sonstigen Arbeit”
Jeremy Procter: “Was die Sachen betrifft, die ich mit Kevin und Jody mache, die befinden sich noch in einem recht frühen Stadium - Schreiben und Demos-Aufnehmen bis jetzt. Aber es entwickelt sich hervorragend. Am Ende wollen wir das ganze auf einem kleinen Independent Label veröffentlichen. Unser Ziel ist ein Album, das die leute zu Hause oder im Auto hören - sozusagen ein Soundtrack zu ihrem Leben (lacht)”

Klingt gut. Was für Equipment werdet ihr voraussichtlich dafür benutzen?
JP: “Wenn möglich, wahrscheinlich ein VS-2480. Die Demos machen wir auf einem 8-Spur, aber der Platz wird bereits knapp. Um die Sachen veröffentlichen zu können, werden wir 24 Spuren brauchen, damit wir mehr Platz für Layers haben. Keyboardmäßig verwende ich einen JP-8000 Synth und ein RD-600 Stage Piano – wir haben angefangen mit vielen Piano-basierten Stücken mit Strings, aber in letzter Zeit hat Jody begonnen mehr Drums-basierte Ideen zu entwickeln. Die Beats haben unsere Stücke mächtig verändert. Kevin und ich sind heftig in die Programmierung des JP-8000 eingestiegen – es sind kaum noch Presets im Instrument übrig. Sounds können wirklich inspirierend sein, wenn man schreibt und produziert.”

Was Euer Roland-Equipment betrifft - Neil, Du spielst V-Drums?
NP: “Ja, zeit ca. zwei Jahren habe ich ein Set. Es steht im Übungsraum neben meinem akustischen Kit und ist grossartig zum Üben. I Ich habe einen Verstärker dran und gehe, selbst wenn wir Pause haben, regelmässig hin, um Lärm zu machen. Heute morgen war ich auch schon eine Stunde da und habe zu Stücken gespielt.”
Was gefällt Dir besonders an den
V-Drums?
NP: “Ich habe andere elektronische Kits mit Gummi-Pads probiert, aber bin damit nie richtig warm geworden. Einige davon haben wirklich gut geklungen, aber das Spielgefühl stimmte nicht. Was das betrifft, haben die Mesh Heads der V-Drums einen unglaublichen Unterschied gemacht, da sie sich wirklich natürlich anfühlen. das hat mich als erstes überzeugt. Ausserdem gibt es endlose Möglichkeiten, Sounds anzupassen und zu gestalten – wirklich ein erstaunliches Instrument.”

Seid ihr beide immer an Neuentwicklungen in der Instrumententechnologie interessiert?
JP: “Nicht notwendigerweise. Mich interessiert hauptsächlich das Klavierspielen. Ich komme von einem traditionellen Klavierstunden-von-sieben-bis-siebzehn-Hintergrund. Als ich bei Travis eingestiegen bin - ich kannte sie durch Neils Frau – habe ich nicht einmal ein Keyboard besessen. Ich war Fischhändler zu der Zeit. Obwohl ich immer gespielt habe hatte ich keine Ausrüstung. Also ging ich zu Kevin [Slaney, Travis-Techniker], den ich schon seit Jahren kannte. Er kannte sich wesenlich besser aus als ich und empfahl mit den JP-8000. Sie fragten mich, ob ich in Reading ’98 mitspielen wollte - eigentlich nur aus Spaß - nachdem sie die Tour für das erste Album beendet hatten und bevor sie das zweite “The Man Who” aufnahmen. Danach fragten sie mich, ob ich nicht mehr offiziell einsteigen wollte.

Ich hörte das Album, wusste dass es eine große Sache werden würde, verkaufte das Geschäft, das ich mit meinem Vater zusammen hatte und fing an, Sounds zusammenzustellen. Auf “The Man Who” hatte die Band einen Jupiter-8 benutzt. Daher war der JP logischerweise die beste Wahl, um diese Sounds nachzuempfinden. Generell tendiere ich eher dazu, Instrumente als Werkzeuge für meine Arbeit zu benutzen, als Magazine durchzublättern um herauszufinden, welche Spielzeuge ich mir als nächstes besorgen könnte. Kevin liebt das allerdings.”
NP: “Ich habe diverse Modeerscheinungen mitgemacht, aber jetzt bin ich nicht mehr daran interessiert, immer die neuesten Sachen zu haben. Wir wollen Zeug das funktioniert und die Sounds bringt, die wir brauchen. V-Drums sind da ein gutes Beispiel: Sie haben allerbeste Technologie und sind perfekt für das, was ich damit will – üben und Demos in kleineren Studios einspielen.”

Könnt Ihr euch vorstellen, die V-Drums in der einen oder anderen Weise auch einmal auf der Bühne zu benutzen?
NP: “Ich habe sie noch nie live gespielt und wir haben immer eine sehr organische Herangehensweise an unsere Shows. Deswegen habe ich immer nur ein akustisches Set verwendet. Aber es hängt davon ab, wie das nächste Album wird – das gibt vor, wie die Show auf der nächsten Tour sein wird.
"Wir wollen eine Platte machen, zu der man tanzen kann. das soll nicht heissen, dass wir ein Dance-Album machen, aber ich habe das Gefühl, dass es schmutzige, erdige Grooves sein werden. Vor kurzem hat Dougie [Payne, Bass] gesagt, dass er sich wünschte, wir hätten “...” von David Bowie gemacht. Ausserdem sind wir Fans von den ganzen Krautrock-Sachen – Can und Kraftwerk und so. Wir müssen einfach abwarten, was dabei herauskommt, wenn wir anfangen zu schreiben."
“Es sind aufregende Zeiten für uns. Wir haben drei gute Alben draußen und haben jetzt das Gefühl, dass die Zeit gekommen ist, unser “Unforgettable Fire or Automatic For The People”-grosses wichtiges Album zu machen. Wir haben das Glück, dass wir jetzt in der Lage sind, schreiben zu können was immer wir wollen. Ich glaube die Plattenfirma vertraut uns, und wir sind immer noch sehr ehrgeizig. Es gibt noch soviel, was wir machen wollen.”

Jeremy, sind Deine Einflüsse dieselben, wie die der anderen Travis-Mitglieder?
JP: “Wir lieben dieselben alten Sachen: Bob Dylan, The Stones, Joni Mitchell… Diese Leute kennen wir alle gut und das hilft sehr beim Zusammenspielen. Die Band im Ganzen ist sich sehr einig, wie der Sound sein soll. Ich bekomme die Songs wenn sie aufgenommen sind und dann verbringen wir gemeinsam einige Zeit beim Zusammenstellen von Sounds. Danach arbeite ich die Teile aus, bevor wir anfangen zu proben. Ich denke, die Tatsache, dass wir den selben musikalischen Hintergrund haben, hilft, den Prozess zu beschleunigen.”

Es waren drei ziemlich aufregende Jahre für alle bei Travis – Neil, wie würdest Du die Gefühle der Band zusammenfassen, mit ein wenig Abstand betrachtet?
NP: “Wir wollen uns auf keinen Fall auf unseren Lorbeeren ausruhen. Wie schon gesagt - ich habe das Gefühl, dass wir an einem Punkt angekommen sind, wo wir etwas wirklich wichtiges mit der nächsten Platte vorhaben. Wir werden uns erstmal in Ruhe von allen Ablenkungen zurückziehen - vielleicht mit einem anderen Produzenten. Es wird sehr aufregend.”