Interview mit The Crystal Method
Es ist 23:59 am 31. Dezember 2002. The Crystal Method legen seit einer Stunde bei einer der größten Sylvesterparties in LA auf. Es ist die Giant Village, die in den Straßen um das zentrum von LA stattfindet. Vor der DJ-Bühne führen tausende von um-die-20-Jährige wilde Tänze auf und die Jungs von Crystal Method amüsieren sich prächtig. Sie mixen berühmte Breakbeat-Platten mit größter Präzision, singen mikt der Menge, und verausgaben sich lächelnd völlig. Mit Plastik-Champagnergläsern backstage und vielen Freunden von Crystal Method sowie Familien-Mitglieder, die hinter der Bühne Fotos machen scheint das ganze mehr ein neujahrs-Rockkonzert als eine DJ-Veranstaltung zu sein. Zu guter Letzt legen die Jungs auch einige Rock-Scheiben auf, um die Feierstimmung abzurunden.
Falls Sie es noch nicht wussten - The Crystal Method sind Superstars. Mit mehr als einer Million verkauften Platten weltweit hat die Band (Aka Ken Jordan und Scott Kirkland) nach 10 Jahren ihre Geburtsstadt Las Vegas verlassen, um in den frühen 90ern in die LA Rave-Scene einzusteigen. Dort haben sie Tracks produziert, die den American Big-Beat Techno Sound maßgeblich beeinflusst haben. Die solide Crystal Method-Kombination aus Hip-Hop, Rock, Soul, und Pop hat buchstäblich die Regeln für Legionen von amerikanischen Electronica-Produzenten definiert. Trotzdem ist die band erstaunlich bescheiden geblieben, was ihren Einfluß betrifft. Als ob er dies noch einmal auf den Punkt bringen wollte, kündigt Scott fast jede Platte an, die er auflegt, um sicherzustellenen, dass die Fans wissen, welche Musik die Band beeinflusst.
Einige Tage vor der Sylvestershow haben wir Ken and Scott in ihrem Studio in Glendale, Californien getroffen, wo sie hart an ihrem dritten Album arbeiteten,welches irgendwann 2003 veröffentlicht werden soll. Hier ist, was sie zu ihrer Platte, der Musik und den Sounds, die sie inspirieren, zu sagen hatten.

RUG: Eure letzte Platte, Tweekend, war ein unglaublich fettes, bahnbrechendes Werk, welches jjede Menge Einheiten verkauft hat. Wie wollt Ihr das jetzt toppen?
Ken: Ich denke mit Nüssen und Sahne (lacht). Nee, wir treffen niemals solche bewussten Entscheidungen, wie z.B. etwas “toppen” zu wollen. Wir haben keine Lust, zu hart daran arbeiten zu müssen, eine Richtung zu finden. Wir bevorzugen es, wenn die Dinge sich natürlich entwickeln. Aber ich denke nicht, dass sich unser Sound radikal ändern wird… Er wird immer noch heavy mit harten, Beats und Sounds sein. Aber erwird sich natürlich auch weiterentwickeln.
Scott: Wir sind natürlich von Dingen aus unserer Vergangenheit stark beeinflusst… ob es nun Instrumente sind oder Musik die wir hören. Diese Platte wird wahrscheinlich durch die großartigen Tracks verschiedener Künstler der letzten zwei Jahre beeinflusst sein.

RUG: Wird es mehr eine Dance-Platte?
Scott: Ich bei der letzten Platte hat die Zusammenarbeit mit Scott Weiland [Stone Temple Pilots] und Tom Morello [Rage Against the Machine] den Sound stark beeinflusst. Und das letzte Jahr, in dem wir unsere Mix-CD zusammengestellt [Community Service] und aufgelegt haben wird sicher einen völlig anderen Einfluss haben. natürlich spielen auch die hervorragenden Instrumente eine

Rolle. Sachen wie die, die Ihr jetzt vor uns hingestellt habt, z.B. der V-Synth, werden natürlich die Möglichkeiten stark erweitern.

RUG: Apropos V-Synth, was haltet Ihr davon?
Ken: Um ehrlich zu sein, ich erinnere mich nicht, wegen eines Keyboards jemals so aufgeregt gewesen zu sein. Als wir die frühe Demo des [VP-9000 VariPhrase Processor], gesehen haben, waren wir natürlich fasziniert. Als er denn auf den markt kam, waren wir mit Dingen wie Acid und Recycle beschäftigt und haben nie einen gekauft. Aber dieses Ding [der V-Synth] hebt die [VariPhrase]-Technologie auf eine völlig neue Stufe wo sie auch ein Live-Element hat. Jetzt kann man eigene Sounds mit Synth-Sounds mischen und wirklich ausdrucksstark und kreativ sein - man kann Sachen zerschneiden und die Tonhöhe verändern während das tempo bestehen bleibt… Das eröffnen völlig neue Möglichkeiten. Wenn wir Remixes machen, wird der V-Synth die erste Anlaufstelle für das Original-Material sein.
Scott: Ich denke eine Menge Leute werden sich mit dem V-Synth beschäftigen und so viele neue Wege finden, die man mit ihm beschreiten kann. Mit den Sound-Layers, den COSM-Filtern und der supereinfachen Bedienung… dem Touchscreen… jeder Musiker wird etwas einzigartiges damit machen können. Als wir ihn das erste mal gehört haben ist uns wirklich die Kinnlade heruntergeklappt.

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RUG: Ich schätze, das sagt einiges. In einem so vollgestellten Studio muss er sich seinen Platz verdienen, wenn er hierbleiben soll.
Scott: (lacht) Ja - der, der Juno-106 und ein paar andere Sachen wie der Jupiter-6 bleiben hier. Wir haben schon eine lange Geschichte mit Roland-Instrumenten. Mein erstes richtiges Keyboard war ein Roland D-50.

RUG: Hast Du den noch?
Scott: Leider nein. (lacht) Er gehörte zu den ersten Sachen, die wir verkaufen mussten, um die Miete oder Essen zu bezahlen. (lacht) Der D-50 hatte zu der zeit als er herauskam ’87 oder so… einige Sounds, für die die Programmierer viel Zeit aufgewendet haben. Er war sehr cool. Dann, ein paar Jahre später haben wir den JD-800 bekommen. Er hatte diese satten, großen Pads und brillante Glocken und Triangeln. Und diese rasiermesserscharfen Synth Sounds, die wir reichlich eingesetzt haben.
Ken: Ich kann mich erinnern, einmal versucht zu haben SysEX Daten-Sequenzen für das Ding aufzunehmen - ohne dass die fader kontrolliert wurden… ziemlich verrückt.
Scott: Ja dieses keyboard war eines von denen, die wir hatten, bis wir bis auf unsere Unterwäsche und einige Gitarrenpedale ausgezugen wurden. (lacht)
Ken: Ja wir hatten es, bis wir keyboards für Säcke mit Erdnüssen eintauschen mussten.
Scott: Es gab Zeiten, wo Du entweder mit Deinem Keyboard auf der Straße leben oder es verkaufen konntest, um etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf zu haben. Aber als wir da durch waren, konnten wir losgehen und wieder Synthesizer kaufen. Einer der ersten war dieser Juno-106. Er war die Basis für viele unserer Songs und Veröffentlichungen.

RUG: Interessiert Ihr Euch auch für Software-Synthesizer?
Ken: Dem haben wir eine Weile widerstanden. das Problem mit Soft-Synths ist, dass Du keine Knöpfe drehen kannst, um etwas zu verändern.

RUG: Also seid Ihr auf jeden Fall mehr für Hardware?
Ken: Ja. Software Synths mögen für viele Leute, die nur Erfahrungen mit virtuellen synths haben, richtig sein - die können sie flüssig bedienen. Aber für uns gibt es nichts besseres, als Knöpfe drehen zu können. In der Lage zu sein es zu spielen, zu verändern und zu modulieren istetwas mit dem wir uns so viel wohler fühlen. Wo ich das gerade gesagt habe, wir benutzen ein paar davon… und wir wären begeistert, wenn wir einige Roland Synths in einer virtuellen Form bekommen könnten. Der Jupiter 8 wäre schon mal sehr gut.
Scott: Wir haben tatsächlich schon mal versucht, einen Jupiter 8 zu bekommen. Als wir endlich etwas Geld hatten, haben wir jeden Donnerstag Morgen auf den Recycler gewartet [ein lokales Anzeigenblatt] - wir sind richtig früh aufgestanden und um 6 Uhr morgens zu deren Büro gegangen, um dort andere Musiker zu treffen, die auch auf der Suche nach billigen Instrumenten waren.
Ken: Das war ätzend. Einige hatten offensichtlich eine Möglichkeit, den Recycler zu bekommen, bevor er tatsächlich herauskam. So konnten wir einen Verkäufer am ersten Tag um 9 Uhr anrufen - nur um zu hören, dass jemand anders uns zuvorgekommen war, und den Jupiter 8 bereits gekauft hatte. Also haben wir dem Verkäufer gesagt, “Mach das nicht! Der Typ ist Händler. Wir sind Musiker. Verkauf ihn an uns!” (lacht)

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RUG: Ihr seid dafür bekannt, dass Ihr auf jedem Album frische neue Sounds verwendet. Fühlt Ihr Euch unter Druck gesetzt, Euch nicht zu wiederholen?
Ken: Nicht wirklich. Ich meine, wir setzen uns selber unter Druck, aber das ist ziemlich normal.
Scott: Natürlich machen wir uns viele Gedanken darüber, was wir veröffentlichen und wie unsere Fans darauf reagieren und dass sie der Meinug sind, einen vernünftigen Gegenwert für ihr Geld zu bekommen. Aber man kann nicht jeden zufriedenstellen, also versuchen wir, weiterhin Sachen zu machen, die uns selbst gefallen. An einem bestimmten Punkt vertrauen wir darauf, dass es schon seiunen Platz finden wird, wenn wir es selbst mögen. Bis jetzt hatten wir das Glück, dass es auch so eingetroffen ist.Es gab auch viele Künstler wie z.B. Leftfield, die uns sehr inspiriert haben. Und nicht nur die, sondern auch Künstler wie die Chemical Brothers und William Orbit… Dies sind die Leute, die die Musik wirklich weitergebracht haben. Wenn wir also jetzt ins Studio gehen, nehmen wir diese Einflüsse mit. manchmal stellen wir natürlich auch fest, dass wir in der lagen waren, andere Künstler zu beeinflussen - so schließt sich der Kreis wieder - das ist das spezielle und einzigartige bei der Musik-Szene.

RUG: Eure Musik ist in letzter Zeit bei vielen Videospielen auf der X-Box und anderen Systemen verwendet worden. Seid Ihr auch Spieler?
Ken: Klar, was ist das neueste Spiel?

RUG: Ich glaube es heißt Splinter Cell auf der X-Box. Soll ziemlich verrückt sein.
Ken: Echt - dann schick’ uns eine Kopie. (lacht). Das Probelm mit diesen Spielen ist, dass sie inzwischen so hochentwickelt sind, dass sie die Sachen, die ich mag nicht mehr bieten. Ich mag Spiele, wo man auf etwas schiesst. Mir gefallen Pistolen. Ich habe die Programmierer einiger dieser Spiele gefragt, “warum kann man kaum noch Spiele kaufen, bei denen geschossen wird?” Sie sagten, dass diese Spiele sich schlecht verkaufen. Pech gehabt. (lacht) Nein - wir haben keine Songs speziell für Videospiele geschrieben. Die werden einfach lizensiert wie eine Mix-CD.

RUG: Zurück zu dem neuen Album. Wann kommt es heraus?
Ken: Ich habe darauf gewartet, dass es vom Himmel fällt, aber das ist nicht passiert (lacht) Unglücklicherweise müssen wir es erst machen. das ist recht schwierig, weil wir momentan sehr beschäftigt sind. Aber wir arbeiten daran, bis Sommer oder herbst nächsten jahres etwas fertig zu haben… Und der V-Synth wird sicher auch auf dieser Platte vertreten sein.
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