Interview mit Paul Mirkowich

Zusammen mit Paul Shaffer war Paul Mirkovich der präsenteste Keyboarder des Planeten im Jahre 2005. Als Musical Director und Keyboarder der RockStar INXS House Band war Paul an drei Abenden pro Woche im Primetime-Fernsehen für Millionen von Leuten zu sehen. Er ließ es wirklich einfach aussehen, dass er und seine kompetenten Bandkollegen sich quer durch die Musikstile spielten. Aber, wie man sich denken kann, sah es hinter den Kulissen nicht ganz so einfach aus.

Roland traf Paul in den CBS-Studios in Hollywood, wo er und die Band sich auf die acht-wöchigen Aufnahmen vor einem Live-Publikum vorbereiteten. Wir waren gespannt darauf, mehr über Paul, wie er zu dem RockStar-Auftrag gekommen war und wie er seinen Roland V-Synth, VK-8 und Fantom-X8 einsetzt, zu erfahren.

Das muss eine unglaubliche Herausforderung sein.

Es ist heftig. Ich kann sagen, dieser Gig war eine meiner größten herausforderungen. Ich schätze seit Juni [2005], als wir mit dieser Show begonnen haben, haben wir mehr als 120 Songs gelernt. das ist richtig viel und wir mussten es sehr schnell lernen. Wir mussten bei sehr schwierigem Material die Tonarten beim Spielen wechseln und - da wir nur wenig Sendezeit hatten - oft Fünf-Minuten-Songs auf zwei Minuten reduzieren. Dabei sollte es aber trotzdem noch Sinn machen. Bei dem Gig ist echt eine Menge zu tun.

Wie bist Du zu dem Job gekommen?

Ich wurde zum Vorspielen für die Show eingeladen. Es gab insgesamt 12 Musical Directors, die Bands für das Vorspielen zusammenstellten, was auf ca. 75-80 Musiker hinauslief. Also habe ich diesen Gig als Musical Director bekommen, genauso wie zwei andere Typen, die in meiner Band spielten: Rafael und Sasha. Nate und Jim kamen von anderen Bands. Es ist eine hervorragende Zusammenstellung aus erstklassigen Musikern.

Zusätzlich zu der tatsache, dass Du ein exzellenter Musiker und Sänger bist - was braucht man noch, um den Job als MD zu bekommen?

Als erstes bin ich sehr penibel — nicht nur wenn es darum geht was ich spiele, sondern auch was alle anderen spielen. Ich fühle mich einfach besser beim Spielen, wenn ich weiß, dass alle anderen genau das spielen, was vorgesehen ist. Die andere Sache ist mein vielseitiger Hintergrund. dadurch war ich in der Lage, alles hinzubekommen, was von mir verlangt wurde.

Erzähl uns von dem Roland Keyboard-Trio, welches Du in der Show benutzt.

Ich habe im Laufe der Jahre schon viele Roland Instrumente besessen. Mein zweiter Synthesizer war z.B. ein Jupiter-8. In meinem Rack zu Hause habe ich immer noch meine MKS-70, MKS-80, ein paar D-550 einen JD-990 ... Roland- Instrumente waren immer ein großer Teil meines Sounds und sind es noch immer.

Für den RockStar INXS-Gig brauchte ich etwas, das schnell zu bedienenen ist und jede Menge verschiedene Stile abdecken kann. Also brauche ich zuallererst eine Workstation für die Grundlagen — Piano, Rhodes, Clav und gute Pads etc.. Dafür ist der Fantom-X8 ideal. Er ist mein Haupt-Piano, -Rhodes und -Clavinet. Kürzlich habe ich noch das [SRX-11] Complete Piano- und das [SRX-5] Supreme Dance-Board eingebaut.

So gut das Betriebssystem des Fantom-X auch ist, ohne erstklassige Sounds wäre es wertlos. Ich werde auf jeden Fall alle diese Keyboards [Fantom-X, V-Synth und VK-8] auf der Bühne und im Studio einsetzen.

Wenn wir von der VK-8 reden - ich brauchte etwas richtig gutes für den Orgelsound, also habe ich mir die VK geholt, an die ich zwei Leslies angeschlossen habe. Was für ein Sound! Ich liebe es, wie man den "Schmutz" dazuregeln kann und dass es drei wirklich unterschiedliche Overdrive-Typen gibt. Auch der 3-Band EQ ist absolut nützlich. Der Sound ist erste Klasse.

Dann gibt es noch den V-Synth. Das Ding ist wirklich unglaublich. Bei der heutigen Show spielen wir z.B. zwei Originalsongs und beide Bewerber kamen zu mir und sagten: “Ich möchte etwas besonderes für die Höhen im Refrain.” Also fand ich in der Version 2 Patch-Bank diesen Sound mit Namen “COSM1WidthMe.” Das ist ein Pad mit einem untergelegten rhythmischen Element, dessen Stärke vom D-Beam kontrolliert wird. Damit wird dem Sound eine einzigartige Textur verliehen.

Ich habe schon immer Sounds mit Bewegung vorgezogen. Früher habe ich Sounds durch gates geschoben und mit LFO-Modulationen Bewegungen hinzugefügt. Beim V-Synth ist Bewegung oft das Schlüsselelement von Sounds. Klasse finde ich, dass man sie mit dem Time Trip Pad und dem D Beam kontrollieren kann. Die benutze ich ständig.

In der Show haben wir einige Songs von The Killers gespielt — einer Rock Band, die veiele coole elektronische Sounds benutzt.Ich verwende dafür einige der [virtuell analogen] Sägezahn-Sounds des V-Synth, die nach klassischem analogen synth klingen. Mit dem V-Synth kann man noch diese speziellen Bewegungen hinzufügen und sie sogar noch zum Tempo des Songs synchronisieren - hervorragend!

Der V-Synth hat einige Elemente, die ähnlich wie Roland Synthesizer aus der Zeit des JP-8000 [speziell die SuperSaw Oscillator-Wellenform] klingen. Der V-Synth hat definitiv diese Roland-Qualität. Ein absolut erstklassiges Instrument.

Software-Instrumente sind inzwischen sehr beliebt im Studio und auf der Bühne. Was ist es, dass Dich trotzdem Hardware-Instrumente bevorzugen lässt?

Ich bin begeistert von virtuellen Synthesizern und habe jede Menge davon in meinem Computer. Es gibt einige sehr gute, aber manchmal schaltet man ein Hardware-Instrument an und stellt fest, dass es etwas Besonderes im Klang gibt, das ein Software-Instrument nicht bieten kann. Irgendwie haben sie nicht denselben Druck. Nehmen wir beispielsweise den V-Synth — wenn man ihn anschaltet und zum ersten Mal hört ist es wie “Wow, Das ist neu!” Er inspiriert Dich.

Abgesehen vom engen Zeitplan der RockStar INXS-Veranstaltung - ist es wirklich so cool, wie es im Fernsehen 'rüberkommt?

Absolut. Was ich besonders an dieser Erfahrung liebe - dies ist wahrscheinlich das erste Mal seit vielen Jahren, dass eine Rock and Roll-Show vor 1:00 oder 2:00 Nachts im ganzen Land gesendet wird. Wann konnte man schon einmal eine Rock-Show zur besten Sendezeit sehen? Das muss mindestens 20 Jahre her sein. So habe ich die Möglichkeit, diese Musik mit dieser Band vor Millionen von Leuten zu spielen - und das jede Woche. Das ist wirklich eine einmalige Gelegenheit.

Erzähl uns von Deinem musikalischen Werdegang.

Mirkovich: Ich bin in Studio City Kalifornien aufgewachsen — ich wohnte im Valley, in in der Nachbarschaft von Steve Lukather und den Porcaros [von Toto]. Ich habe mit vier angefangen, Klavier zu spielen, und bis ungefähr 16 klassische Musik studiert. In der High School habe ich Rock and Roll gespielt, und danach Bebop und Jazz. Ich habe die Dick Grove School of Music besucht und außerdem bei Terry Trotter studiert, einem hervorragenden Pianisten und lehrer.

Als ich Dick Grove verließ, habe ich sofort angefangen, in Musicals in Orange County und Los Angeles zu spielen. Ungefähr zu der Zeit erzählte mir ein Freund, der für Jeffery Osbourne, den R&B-Sänger arbeitete, dass Auditions angesetzt wären. Ich glaube, ich war ungefähr 21 zu der Zeit. Ich ging hin, spielte vor und bekam den Job. Ich sah aus wie 12, war nie zuvor auf Tour gewesen und sollte mit gestandenen Funk-Musikern spielen. Was für eine Erfahrung - es war eine großartige Tour.

Mit Jeffery war ich ungefähr 2 Jahre unterwegs und dann hörte ich, dass Cher Auditions abhielt. Also ging ich auch da hin und bekam den Job. Ich spielte immer wieder mit ihr von 1989 bis 2005.

Zusätzlich zu Jeffery Osbourne und Cher -Du hast noch in anderen großen Bands gespielt.

Mit der Band Nelson war ich für ungefähr 15 Minuten ein Popstar in den frühen ’90ern — wir haben 15 oder 16 Millionen Platten verkauft.. Dann kam Grunge und verschwand wieder. Danach spielte ich ein paar jahre mit Whitesnake. Also kam ich von Jazz Gigs fünf Tage die Woche zu R&B mit Jeffery über Pop mit Cher zu Metal mit Whitesnake. Ich habe auch Janet Jacksons 2001-Tour zusammengestellt und danach dasselbe für Anastasia gemacht.

Zu der Zeit habe ich zusätzlich noch mit Sean Colvin, Peter Gabriel etc. aufgenommen — jede Menge Platten mit unterschiedlichen Leuten. Außerdem habe ich einige Film- und Fernsehmusiken gemacht, sowie Musik für John Carpenter arrangiert.