Interview mit Kylie Minogues Band, Text: Martin Prince
Kylies drittes
Comeback
verblüffte ihre
Kritiker und
katapultierte sie
auf neue Höhen
desErfolgs.
Ein potentieller
Fallstrick für
jeden Pop-
Künstler kann
ein schlechter
Live-Sound
sein. Wir haben
die Leute
gefragt, die
solche
Fallstricke zu
umgehen wissen.

Für die meisten dürfte Kylie Minogue dieses Jahr die unbestrittene Königin des Pop sein. Ihre letzte Tour war ein unglaublicher Erfolg; ihre letzte CD “Fever” hat sich weltweit millionen-fach verkauft und “Can’t Get You Out Of My Head” war zweifellos die Veröffentlichung des Jahres und dominierte sowohl die Charts als auch die Clubs. Trotzdem - hinter allem Glitzer und Glamour von riesigen Konzerten spielt eine Live-Band. Sie muss in der Lage sein, einerseits den zeitgemäßen Cum-Retro-Sound von “Fever” überzeugend 'rüberzubringen und andererseits Kylies “klassischem” Repertoire gerecht zu werden. Die Basis dafür bildet auch Roland - speziell Rolands Synthesizer-Technologie. Im April während einer Probenpause hatten wir Gelegenheit, mit dem Keyboarder Steve Turner und dem Programmer/Drummer Andrew Small über die Hintergründe von Kylies musikalischer Magie zu sprechen.

Was passierte, nachdem Ihr die Zusage für Kylie Minogues Tour bekommen hattet?

Steve Tuner: “Im ersten Stadium bekommen wir die CDs und ich als Keyboarder bekomme eine Liste mit allen zu spielenden Stücken. Chris [Brown – Bass/Keyboards], Andrew [Small – Programming/Drums] und James [Hato – Guitar] bekommen Scripts, die festlegen, was von ihnen auf ihren Instrumenten erwartet wird. Wenn wir alles komplett haben, beginnen wir mit der Ausarbeitung. Ich lasse die CD in meinem Auto für zwei Wochen konstant laufen, so dass ich die Stücke verinnerliche”

Wie beginnt ihr den ‘rekreativen’ Prozess, und legt fest, welches Equipment benötigt wird?

ST: “Wir werden jeder als Spezialist auf unserem Gebiet gebucht, so dass die Vorbereitung ganz uns überlassen ist – auch was die Liste der Instrumente betrifft, die wir für den Job brauchen”

Warum Roland?

ST: “In vielen Fällen werden Sie feststellen dass Sounds ursprünglich aus Roland-Instrumenten stammen. Über die Jahre haben viele Produzenten mit dem JV-1080 iim Studio gearbeitet und Werkssounds adaptiert. So kann ich einen Sound, wenn ich ihn höre und erkenne, schnell finden. daher ist Roland für uns eine hervorragende Basis. Ich habe JP-8080-, JV-1080- und XV-5080-Module in meinem Rack aber ich benutze immer noch ein A-50 Masterkeyboard - was das betrifft bin ich etwas altmodisch. Ich benutze es, weil ich es seit Jahren habe, es sehr gut kenne, weiß, wie man es programmiert und so schnell zu Ergebnissen komme. Im frühen Stadium der Proben ist das A-50 ideal für mich, da ich sehr schnell mit Sounds herumexperimentieren kann. Ich tauche in die Soundbibliothek ab, die ich mir über Jahre aufgebaut habe und beginne von dort”

Wieviel des Live Sets kommt von der Band, und was kommt von einem Computer, Sequenzer etc.?

Andrew Small: “Ich habe einen XV-5080 in meinem Rack, der die Parts des zweiten Keyboards spielt. Ich bevorzuge es, wenn die Band die Haupt-Parts spielt – Steve spielt Klavier, E-Piano u.s.w. - ich programmiere und triggere Begleitsounds wie Strings und ‘Moog’-Sounds etc.. Wie Steve schon gesagt hat, wir hören uns das Album an und finden die Sounds heraus. Normalerweise wissen wir ziemlich schnell, was es ist – viele der Produzenten verwenden Roland-Sounds."
“Innerhalb der Band findet immer eine Interaktion statt - man kann nicht jedes mal exakt gleich spielen. Zwischen Bassist und Drummer muss der Groove stimmen - man kann das nicht mit einem Sequenzer wiedergeben. Auch bei Dance-Musik - es sind kleine Dinge auf der Scheibe, die das Ganze zu etwas Besonderem machen, aber wenn Du das einfach Live spielst, ist es Karaoke. Beim Gig dreht es sich um Spielen und Singen. Wir versuchen immer, dem Album möglichst nahe zu kommen, aber einige Synth Bass-Sachen sind nicht besonders kreativ.
“Manchmal hören wir Sounds und können sie nicht identifizieren. Es gibt einige sehr clevere analoge Sachen die wir nicht reproduzieren können. Wenn Sounds bearbeitet sind, wird es sehr kompliziert aber die Presets sind hervorragend. Wir verwenden hauptsächlich die E-, F-, G- Preset-Bänke des XV-5080 – da gibt es eine Menge wirklich coole Sounds. Für Bass nutzen wir einige davon und einige vom Vintage Synth-Expansion Board.”



Warum ist es so einfach, mit Roland-Geräten zu arbeiten?
AS: “Bevor ich meinen 5080 bekam hatte ich einen 2080 - bei beiden mag ich das große Display. Im Program-Modus hat man die ‘Palette’-Funktionen, zwischen Oberflächen hin- und herzuspringen und zu editieren ist einfach. Die Sounds sind schon im “Urzustand” erstklassig. Ich muß nicht viel herumeditieren - höchstens etwas von den internen Effekten dazutun. Auf Tour verwende ich auch die Orchestral 1-, Orchestral 2- und Vintage Synth Expansion Boards.”
ST: “Ich nehme immer Sounds aus den Bänken, kopiere sie in den User-Bereich und bearbeite sie. Ich bleibe im Patch-Modus, da ich viel in Echtzeit verändere – über die Controller des Masterkeyboards. Durch die Dichte meiner Sounds kann es im Performance-Modus etwas kompliziert werden. Das Masterkeyboard wird zur Kontrolle der Patch-Nummern, der Lautstärke und einer Vielzahl anderer Controller-Nummern eingesetzt – Ich kann wunderbare und merkwürdige Sachen mit Pitching, LFO Timings und solchen Dingen machen.”

Wie sieht’s mit den XV-5080 Effekten aus?

ST: “Wenn man auf grösseren Veranstaltungen spielt, ist dort extrem viel Raumhall, deshalb drehe ich Reverb, Delay und Chorus herunter. Andererseits arbeite ich viel mit Delays. Wir lieben es, Delays im Timing mit der Melodie einzusetzen. Sie lassen sich auch hervorragend in Verbindung mit Volume-Effekten verwenden:

Ich programmiere z.B. einen Volume Cut-Taster auf dem Masterkeyboard. Wenn das Stück stoppt, drücke ich den Taster - das Delay läuft weiter und füllt sehr schön die Lücke. So bekommt der Live-Sound einige Studio-Elemente.”
AS: “ Das Routing des 5080 – dass man Effekte auf verschiedene Ausgänge legen kann, was vorgher nicht ging – ist ein großes Plus für meine Arbeit”