Interview mit Korn


Munky Business

Zehn Jahre nachdem KORN das erste Mal auftauchten, ist die Band immer noch so explosiv wie je zuvor. PowerOn sprach mit dem 7-Saiter Gitarristen Munky über ihre innovative und dynamische Herangehensweise an den Nu-Metal.

Es ist nicht übertrieben zu behaupten, das KORN mit ihrer 1994 erschienenen CD und der Einführung des Sounds von zwei siebensaitigen Gitarren, unterstützt von synchron stampfendem fünfsaitigem Bass und Industrial-Drums,  den Rock revolutioniert haben. Dazu kamen die gequälten Vocals von Jonathan Davis, die mutige Produktion von Ross Robinson, und Songs, die sich von leisem Flüstern zu atombombenartigen Explosionen entwickeln, und geboren waren die echten Pioniere der Nu-Metal Front. Jetzt mit dem neuen Greatest Hits Album in der Warteschlange und der Mega-Tour Projekt Revolution, die im Juli mit Snoop Dog und Linkin Park durch die Staaten rollt, sind Korn ganz an der Spitze.
James ‚Munky’ Shaffer ist die eine Hälfte von Korn’s siebensaitiger Angriffstruppe. Zusammen mit Gitarrist Head hat er die Rolle des modernen Metal Gitarristen neu definiert. PowerOn traf Munky kürzlich während Aufnahmesessions in L.A. und sprach mit ihm über das Neueste von Korn und über das letzte Jahrzehnt mit Korn und BOSS.

Ein Meilenstein in der BOSS Geschichte

‚Mann, das ist atemberaubend’, sagt Munky über den Verkauf des 8-millionsten BOSS Pedals. ‚Eines meiner Favoriten ist das HyperFuzz [FZ-2]. Ich liebe das Ding ... und kann es nirgendwo mehr finden.’ Munky’s Beziehung zu BOSS begann gleichzeitig mit dem Kauf seiner ersten Gitarre. ‚Mein erstes Effektpedal überhaupt war von BOSS. Ich kaufte meine erste Gitarre und ein Heavy Metal Pedal gleichzeitig. Eigentlich kaufte ich alles von Head. Er verkaufte mir meinen ersten Amp und meine erste E-Gitarre und das Pedal als Paket für 300 Dollar.’ Viele BOSS-Pedale befanden sich im Laufe der Jahre in Munkys Sammlung. ‚Das [SD-1] Super Overdrive holte ich mir ziemlich früh. Ich benutzte es komplett auf unserem ersten und zweiten Album. Der Harmonist [HR-2] wurde auch oft benutzt, besonders auf Follow The Leader, zusammen mit dem Digital Delay Pedal für die Arpeggioeffekte. Für den unheimlichen, trillernden Gitarrensound einiger Klassiker, wie  Got The Life, benutzte Munky‚ ein langsam eingestelltes Tremolo Pedal zusammen mit meinem BOSS Reverb.’ Wenn es um Songwriting geht, hält sich Munky an sein BOSS RV-5 Digital Reverb/Delay Pedal. ‚Es ist ein tolles Songwriting Tool’, sagt er. ‚Ich benutze es immer, während ich mit einer Melodie über einen Rhythmuspart experimentiere, denn es erzeugt einen warmen, inspirierenden Ton, der bei der Suche nach der Melodie hilft. Es befindet sich seit mindestens 5 oder 6 Jahren im meinem Line-Up, besonders in den Phasen des Songwritings.’
Auch der PH-3 Phase Shifter und der PS-5 Super Shifter sind in Munkys Live Equipment immer wieder im Einsatz. ‚Sie liefern mir eine angenehme Atmosphäre, die ich für diese soundtrackartigen Stimmungen brauche. Ich liebe auch das [GE-7] EQ Pedal, denn damit kann ich einen wirklich coolen Lo-Fi Sound einstellen, ohne etwas an meinem Amp zu verdrehen. Das machte ich nämlich so, bevor mein Techniker Jim O’Tell mir den Vorschlag mit dem Pedal machte, was sehr cool ist, denn ich kann den Pegel verringern, eine Menge Mitten hinzufügen und die Höhen wegnehmen um so einen wirklich coolen Lo-Fi Sound zu erhalten.’

Jede Menge Punch

‚Ich habe immer schon die BOSS-Pedals geliebt, denn sie sind klein, kompakt, beständig und sie haben so viel Punch. Es passen 10 Stück auf mein Board, denn sie sind nicht zu groß. Außerdem sind sie sehr widerstandsfähig, aus Metallguss, was sehr wichtig ist. Ich habe schon viele Pedals verschlissen die nicht gut produziert waren. Die BOSS Effekte sind wahrscheinlich die härtesten und ausdauerndsten Pedals, die je hergestellt wurden. ‚Das Design, die Herstellung und die Schaltungen von BOSS sind sehr haltbar,’ fährt er fort. ‚Sie sind zuverlässig, haltbar und du kannst dir immer sicher sein, das ein BOSS Pedal eine Menge Punch hat. Wenn du drauf trittst, merkt es jeder. Jedes Mal wenn ein neuer BOSS Katalog erscheint, bin ich gespannt zu sehen, welche Pedals ich noch nicht habe, um sie dann auszuprobieren. BOSS ist sehr interessant mit seinen innovativen Pedals. Sie waren immer top-modern.’

Siebensaitige Revolution

Zwei siebensaitige Gitarren und ein fünfsaitiger Bass – wie entwickelte Korn diese einzigartige Formel? ‚Der größte Einfluß war Steve Vai’s Passion and Warfare Album’, sagt Munky. ‚Mit dieser Veröffentlichung präsentierte er auch die siebensaitige Gitarre, mit der er, glaube ich, auch alle Tracks einspielte. Das Album erschien ca. 1990 und ich war zu dieser Zeit sehr stark von ihm beeinflusst. Als ich diese Aufnahmen hörte, dachte ich ‚Er spielt eine Siebensaitige, aber ich höre die Tiefen nicht so, wie ich es mir vorgestellt hätte. So bekam ich die Idee, dieses Instrument zu nehmen und unserer Musik hinzuzufügen, die zu der Zeit Thrash oder Thrash Metal genannt wurde. Ich wollte die Gitarre nehmen und Barre Akkorde spielen und rhythmisch zwischen Single String Noten wechseln. Es kam mir jedoch  vor, als steckte noch mehr noch mehr in dieser Gitarre, als bisher gespielt wurde. Ich wollte einen Schritt weitergehen, also stimmte ich die Gitarre einen Halbton tiefer in ein Dropped-A Tuning, und nahm dickere Saiten. ‚Head folgte mir sofort und nahm eine Siebensaitige in sein Setup auf. Und dann holte sich Fieldy einen Fünfsaiter, um unsere Tunings mitmachen zu können.’

Der Kauf seiner ersten Siebensaitigen war nicht leicht. ‚ Ich brauchte sechs Monate für den Kauf meiner ersten Siebensaitigen’, erinnert sich Munky. ‚Ich ging in den Shop, suchte mir eine Weiße aus, und wollte sie langsam abzahlen, immer 100 Dollar die Woche. Wann immer ich Zeit hatte ging ich hin, und ließ mir die Gitarre geben, bis sie es satt waren mein [singt ein schnelles Heavyriff] dun dun dun dun dun dun zu hören. Also stellten sie sie weg und ich kam in der nächsten Woche zurück und gab ihnen soviel von meinem Lohn wie möglich, bis ich sie endlich abbezahlt hatte.’ Die Verkäufer hatten keine Ahnung, dass der junge Metalhead mit dieser Gitarre Rock-Geschichte schreiben würde.

Mit ihren insgesamt 19 Saiten  verfeinerte die Band ihren monströsen Sound. ‚Als wir anfingen, überlegten wir uns, dass wir mit dem Unisonospiel derselben Noten eine Menge Druck machen könnten. Es würde noch aggressiver rüberkommen. Wenn jeder gleichzeitig dieselbe Note spielt, klingt es sehr massiv. Wir haben das all die Jahre benutzt, um bestimmten Parts mehr Druck zu geben. Die ganze Band spielt los und alle spielen die Noten unisono – anstatt einem Haufen unterschiedlicher Noten, was dann etwas matschig und indirekt werden könnte. Es ist eine simple und einfache Idee, aber sie erzeugt einen fetten, aggressiven Sound’.
War das kein Alptraum für die Toningenieure? ‚Überhaupt nicht,’ sagt Munky. ‚Es fühlte sich auf unseren ersten Alben ganz natürlich an. Da war nichts konstruiert. Wir gingen einfach rein, spielten und hielten nichts zurück. Alles fand von selber an seinen Platz.’
Bei den folgenden Alben lief das dann nicht mehr so glatt. ‚Ich muss sagen, dass das Album Untouchables  bei der Aufnahme am meisten Schwierigkeiten gemacht hat,’ verrät Munky. ‚Wir haben so lange für das Schreiben und für die Aufnahmen gebraucht ... es war echt anstrengend. Es dauerte ewig. Wir wollten die Platte rausbringen, aber blieben an Sounds und unseren Experimenten mit neuen Dingen hängen. Es war ein wichtiges Sprungbrett auf unserem Weg. Es war etwas, was wir tun mussten, nur um sagen zu können, dass wir es getan haben. Nun brauchen wir das nicht mehr tun, denn wir wissen, dass es für uns nicht funktioniert.’

Koming soon

Korn hat Coverversionen von Pink Floyd’s Another Brick In The Wall, Nine Inch Nails Head Like A Hole, Faith No More’s We Care A Lot und Public Enemy’s Fight The Power eingespielt. Die Platzierung dieser Tracks muss jedoch noch offiziell festgelegt werden, aber ein wahrscheinlicher Platz ist die kommende Greatest Hits CD. ‚Unsere Version von Another Brick In The Wall ist episch,’ begeistert sich Munky. ‚Sie ist sieben Minuten lang und wir spielen Teil 1, 2 und 3. Wir haben es ein wenig kürzer editiert, aber es beginnt mit dieser brummenden Gitarrennote durch ein Leslie, und wird dann sehr heavy. Head spielte das originale David Gilmour Solo, dann spielte ich ein anderes, ergänzendes Solo, das uns mehr nach Korn klingen lässt – ein eher rhythmisches Solo. Und dann im Outro des Songs, machte Jonathan die ‚Goodbye all you people,  goodbye’ Phrase nur mit Bass und Vocals. Die Leute flippen aus, wenn sie das hören. Ich kann die Veröffentlichung kaum abwarten.’ Munky erzählt uns von dem Plan der Band, die Fans die Songs für die Greatest Hits  CD aussuchen zu lassen. ‚Wir lassen sie ihre Lieblingssongs von jedem Album wählen, und dann kommen die jeweiligen Top-Two auf die Greatest Hits  CD.’

Während der Projekt Revolution Tour wollen Korn mit dem Writing ihres neuen Materials beginnen. ‚Auf der Tour haben wir ein Writing Setup, bestehend aus einem Roland V-Drum Kit, ein Aufnahme System, Übungs-Amps und Kopfhörer. Es ist das ultimative Demo-Recording Setup. Auf der kommenden Europa-Tour [mit Metallica] wollen wir neues Material schreiben. Wenn wir zurückkommen, suchen wir uns einen Produzenten, der sich die Sachen anhört und uns hilft die guten Sachen vom Mist zu unterschieden. Wir hoffen am Ende der Tour sofort in ein Studio gehen zu können.’

Zusätzlich zu seiner Aufnahme- und Tourarbeit mit Korn arbeitet Munky an einem Nebenprojekt. ‚Wir machen Musik für einen animierten Film,’ erklärt er. ‚Es hat so  Aeon-Flux Vibes. Es ist ein überwältigendes Projekt. Wir haben noch ein ganzes Jahr Arbeit vor uns.