Interview mit Joe Walsh

Er ist eine amerikanische Ikone, ein Botschafter zeitloser Rock Riffs, Soli und Songs. Von der James Gang “Funk 49” bis zu den Eagles’ “Life in the Fast Lane” und “Hotel California” hat Joe Walsh seine einzigartige Stimme und seine Gitarre auf einer langen Liste von Hits verewigt.
Als die Eagles auf ihrer ausverkauften aktuellen Tour durch Süd-Kalifornien flogen, hat BOSS Joe im Staples Center in Los Angeles getroffen, wo er uns eine private Führung über die Bühne gab. Seine Gitarrensammlung sah aus wie ein Museum und sein Pedalboard erinnerte an eine Seite aus dem BOSS-Katalog. Nicht weniger als neun BOSS-Pedale befinden sich in Joes aktuellem Eagles-Setup plus fünf BOSS-Pedale auf der Bühne für Glen Frey und weitere fünf für Stu Smith (siehe die Fotos unten). Joe benutzt außerdem einen Roland Micro-Cube Amp backstage in seiner Garderobe.
Als Beweis der enormen Anziehungskraft der Eagles hat die Band alle sechs Shows im Staples, einer riesigen Arena, in der die LA Lakers zu Hause sind, sowie weitere sechs Nächte in der nahegelegenen Anaheim Arena ausverkauft. Die Eagles sind populär wie in alten Zeiten, was erstaunlich ist für eine Band, die es immerhin schon über 30 Jahre gibt.
Hier ist das, was Joe über seine BOSS-Pedale damals und heute sagt.

Wie lange benutzt Du schon BOSS-Pedale?
Joe: Lange.... sieh mal, ich komme noch aus analogen Zeiten und ich stehe auf Sachen mit Knöpfen. Ich hatte ein altes EchoPlex und ich habe es geliebt. Damit habe ich mehr Mädels bekommen als mit allem anderen zu der Zeit [lacht]. Ich bin am Ende bei BOSS gelandet, weil es wirklich problemlos funktioniert, sie hintereinander zu hängen und zu organinsieren. Und sie sind unzerstörbar. Das hat mir immer gefallen. Du kannst Bier hineinkippen und sie die Treppe hinunterwerfen - sie funktionieren immer [lacht].
Ich mag BOSS weil es benutzerfreundliches Zeug ist. Bei so vielen anderen Sachen musst du zurück zum College gehen, um die Bedienung zu lernen, wer hat dazu schon Lust?
BOSS ist stolz darauf, dass seine Ingenieure begeisterte Gitarristen sind.
Joe: Das merkt man, die Bedienung ist wirklich einfach..
Du hast neun BOSS-Pedale in deinem aktuellen Eagles Setup. Benutzt Du dieses Set schon länger oder hast Du andere Pedale probiert, bevor Du dich für diese Konfiguration entschieden hast?
Joe: Es macht mir nichts aus zu experimentieren. Nach Japan zu fahren ist immer großartig, da sie Läden haben, in denen es nur Pedale gibt. Also habe ich jede Menge coole Sachen, aus denen ich zu Hause interessante Effekte bekommen kann, aber irgendwann wird mir das alles zuviel. Es kann passieren, dass die ganze Welt über Dir auf der Bühne zusammenbricht, weil Du nicht auf den Song achtest und Dir des Publikums nicht mehr bewusst bist - nur weil Du versuchst, ein Delay richtig einzustellen. Das ist nichts für mich. Außerdem muss ich ja auch noch singen. So ist einer der Gründe, warum mir BOSS gefällt, dass ich es einstelle und es macht was ich will. Ich könnte noch mehr Zeug hinzufügen, aber für das, was die Eagles machen, habe ich alles was nötig ist. Es ist praktisch jeder Effekt dabei, den ich auch auf den Platten benutze.
Gab es je Zeiten, wo Du Rack-Geräte benutzt hast?
Joe: Ich stehe nicht auf Rack-Geräte. Die mögen für viele Leute ideal sein, aber nicht für mich. Sie haben keine Knöpfe zum Einstellen. Es ist nicht dasselbe jeden Abend. Es ist eine andere Halle, es ist ein anderes Publikum - es ist einfach anders und man muss sich anpassen können. Ich mag meine Pedale, weil ich nach unten greifen und sie anfassen kann.
Joe Perry von Aerosmith hat uns eine Geschichte erzählt, wo eine umgekehrte Einstellung an seinem BOSS-Delay ausschlaggebend für die Komposition eines Songs war. hast Du auch solche Erfahrungen gemacht?
Joe: Ja, in der James Gang hat mich das Delay Pedal stark beeinflusst. Ich hatte zuerst den Sound und habe daraus den Song geschrieben. Das passiert bis heute - in der Eagles-Produktion Hell Freezes Over gibt es Stellen, wo der Sound zum Song geführt hat.
Wie navigierst Du durch dein Pedalboard während der Eagles-Show?
Joe: Ein paar Pedale sind nur für einen bestimmten Song, daher ist es eine simple Sache. Der Pitch Shifter [PS-5] z.B.: Ich habe drei oder vier Einstellungen, die ich zwischen Songs wechsle. Das Pedal gibt eine Menge her, dadurch brauche ich nur ein Pedal anstatt drei oder vier. Es ist wirklich hervorragend. Ich muss es manuell zwischen den Songs einstellen, aber das ist kein Problem.
Welche BOSS-Pedale hast Du am längsten auf der Bühne benutzt?
Joe: Das Delay [DD-3] ist mein Liebling - auch der Overdrive [OS-2] und zunehmend der Pitch Shifter [PS-5]. Auf der Bühne ziehe ich das DD-3 vor, aber für Aufnahmen verewende ich das DD-6.

Du hast einen kleinen Roland CUBE Amp zwischen Deinen Monitor Wedges. Wozu wird der benutzt?
Joe: Der wird für die Talk Box verwendet [bei “Rocky Mountain Way”]. Der Lautsprecher ist abgeklemmt. Es ist ein alter 60-Watt CUBE - ein oranger, der schwarz angemalt ist.
Diese CUBE Amps sind hervorragend. Dei den frühen Eagles, als Hotel California herauskam, habe ich über vier davon gespielt. Um Slide bei “The Long Run” zu spielen habe ich auch welche benutzt. Ich habe sie zusammengekoppelt. So war das früher. Ich habe mir sogar ein Stativ gebaut, so dass ich zwei und zwei zusammenschalten konnte. Die oberen haben die unteren angetrieben. Ich hätte Lust, den neuen CUBE-60 auszuprobieren.
[Anmerkung des Herausgebers. Kurz nach unserem Interview wurde ein CUBE-60 an Joe geliefert. Joes Manager teilte mit: “Wir haben ihn in seine Garderobe gestellt und er ist wirklich umwerfend! Joe ist begeistert.”]Hast Du jemals den Roland JC-120 Jazz Chorus Amp benutzt?
Joe: Ja. Ich habe über zwei davon gespielt. Ich habe sie auf dem zweiten Us Festival [1983] verwendet. Das war während des So What [Solo]-Albums. Es gibt sogar einen Film darüber.
Hast Du jetzt im dritten Jahrzehnt der Eagles immer noch Spaß da oben?
Joe: Oh ja! Absolut.
Gibt es eine Chance, das die Eagles in Zukunft neues Material aufnehmen?
Joe: Ich hoffe, dass wir noch etwas aufnehmen. Wir haben auf verschiedene Arten versucht aufzunehmen und ich will nicht sagen, das Projekt ist vorbei, aber wir haben es nicht so gemacht, wie wir es hätten tun sollen - weg von der Familie, weg vom Telefon, weg aus L.A., kein Fax - irgendwo, wo es nur einen Control Room und ein Studio gibt. So müssten wir es machen. Wir haben es in L.A versucht, zu Hause, aber da gibt es zu viele nicht-musikalische Dinge, um es vernünftig durchziehen zu können. Ich hoffe, dass wir eine Zeit finden, wo es uns allen passt, wo wir einfach auf eine Insel oder so gehen können. Ich glaube, dass da noch ein Eagles-Album in uns ist. Außerdem habe ich noch ein Solo-Album in Arbeit. Ich schließe einfach einige Pedale an und irgendetwas kommt heraus. Das funktioniert immer!

Das Leben war gut zu Joe. Joe Walsh Biographie

Joe Walsh (geboren am 20. November 1947) ist ein amerikanischer Gitarrist und Rock Musiker.

Als Eingeborener von Wichita, Kansas, verbrachte Walsh Zeit in verschiedenen Bands während er zur Kent State University ging. Zum ersten Mal wurde die Öffentlichkeit auf ihn aufmerksam, als er 1969 Glen Schwartz als Lead-Gitarrist bei The James Gang, einem amerikanischen Power Trio, ersetzte. Walsh war der Frontmann der Band, bekannt für seine innovative Rhythmusgitarre und seine kreativen Gitarren-Riffs. The James Gang hatte diverse kleinere Hits und wurde eine der frühen Album-orientierten Rock-Bands bevor Walsh die Band 1971 verließ, um eine Solo-Karriere zu beginnen

Walshs Solo-Debut, Barnstorm (1972) und seine Nachfolger The Smoker You Drink, The Player You Get (1973) bestätigten Walshs Reputation als einfallsreicher Rocker, dessen trockener Humor und Sinn für rauschende Feste oft ihren Weg in seine Songs fanden. Diverse Tracks aus diesen Alben, speziell " Rocky Mountain Way" wurden rund um die Uhr im Radio gespielt und wurden zu Rock-Klassikern.

Nach weiteren Studio- und Live-Alben wurde Walsh 1976 eingeladen, Mitglied der Eagles zu werden und den Gitarristen Bernie Leadon zu ersetzen. Walsh brachte seinen erdigen Sound in die Eagles ein und trug maßgeblich zu dem unglaublich erfolgreichen Album Hotel California (z.B. “Life in the Fast Lane”) bei.

Als die Eagles einige Jahre später begannen, sich aufzulösen, reaktivierte Walsh seine Solo-Karriere mit den anerkannten Alben But Seriously Folks (1978, auf welchem auch seine bekannte Karikatur des Rockstar-Daseins zu finden ist: “Life’s Been Good”) und There Goes the Neighborhood (1981). Walsh veröffentlichte weitere Alben bis in die 80er Jahre, bis die musikalische Entwicklung ihm nicht mehr entsprach und er daraufhin bis zur Eagles-Reunion und -Tour in den späten 90ern beschloss, nicht mehr in Erscheinung zu treten.

Walshs Fähigkeiten auf der akustischen, elektrischen und Slide-Gitarre haben ihn zu einem gefragten Gast-Musiker gemacht, er hat mit vielen anderen Künstlern wie z.B. Dan Fogelberg, Steve Winwood und Ringo Starr auf der Bühne und im Studio gearbeitet.

Joe Walsh hatte außerdem Auftritte in dem Film The Blues Brothers und im Fernsehen in der The Drew Carey Show.

Joe Walsh (WB6ACU) ist ein aktiver Amateur Radio-Betreiber.