Interview mit Joe Perry

Smokin’ Joe

Joe Perry ist eine authentische Rock’n Roll Legende. Aber warum fliegt er dann kreuz und quer durch die USA um seine eigene Chilisauce zu promoten? PowerOn traf sich mit Aerosmith’s umtriebigen Gitarristen in Beverly Hills um mit ihm über seine neue Solo-CD, BOSS Pedale und seine ungewöhnliche Leidenschaft fürs Kochen zu sprechen.

Wenn eine so hart arbeitende Band wie Aerosmith eine ihrer wenigen Pausen nimmt, sind abgelegen Inselverstecke häufig die erste Wahl. Aber nicht so für Joe Perry. Während seiner jüngsten Pause von seinem Platz als legendärer Gitarrist, arbeitete er mit Vollgas an seiner Solo-CD, sowie (Trommelwirbel) der Einführung einer eigenen Marke Chilisauce.

Chilisauce? „Gutes Essen ist etwas, was man on the Road selten bekommt,“ sagt Joe, „und deshalb ist das Kochen eine meiner Leidenschaften geworden. Ich kann es kaum erwarten meine Rocking’Hot Sauce im Hard Rock Cafe zu sehen.“

Als sich PowerOn mit Perry im Hard Rock Cafe in Beverly Hills traf, sah er überraschend frisch aus, für den Tag den er hinter sich hatte. „Ich bin in New York aufgewacht, machte die Howard Stern Show, flog dann nach Dallas für ein Hard Rock Cafe Event, und dann hierher  nach LA - alles an einem Tag. An Tagen wie diesen fällt es einem schwer, zu wissen, wo du bist, wie spät es ist oder wann man aufwachen sollte. Es ist schon verrückt.“

Trotz diesem engen Zeitplan, war Joe mehr als großzügig mit seiner Zeit. Umringt von einer Horde Fans, sprach Joe mit PowerOn deutlich länger als geplant. Hier sind einige Höhepunkte unserer Diskussion über Ton, Aufnahmen und seine neue CD bei Columbia Records.

Glückwunsch für die mit Vierfach-Platin ausgezeichnete Aerosmith Live DVD You Gotta Move. BOSS feiert ebenfalls eine Platin - Preisverleihung für acht Millionen verkaufte Pedale im letzten Jahr - und wir gehen auf die neun Millionen zu.
Joe:Ich glaube, ich bin da auch mit ein paar Pedalen daran beteiligt.
Welche BOSS Pedale hast Du am meisten benutzt?
Joe: Ich habe mich in das weiße Digital Delay (DD-6) verliebt und benutze es andauernd. Als ich mit Glen Ballard an Taste of India (auf der Aerosmith Nine Lives CD) gearbeitet habe, war das das Pedal, mit dem ich komponierte und welches ich für den Backward Effekt benutzte. Für mich hat Komponieren viel damit zu tun, einfach eine Gitarre in die Hand zu nehmen und einen bestimmten Sound zu finden. Manchmal ist es ein Amp, ein Tuning, oder wie in diesem Fall, ein Pedal welches mich anregt und inspiriert, in eine bestimmte musikalische Richtung zu denken. Manchmal lande ich bei einem ungewöhnliche Sound, und das ist dann meine Inspiration für einen neuen Song. Pedale spielen eine wichtige Rolle im kreativen Prozess,  und BOSS hat einen Haufen davon.

So gerne wie ich alte Gitarren und Amps sammle, bin ich auch ein Pedal-Freak. Ich habe zwei oder drei Leute in den USA, die ständig auf der Suche nach alten Pedalen sind. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist es, durch Vintage Stores zu ziehen, und nach alten und verrückten Gitarren, Amps oder Pedalen zu suchen – besonders wenn ich in Japan bin. Das macht mir großen Spaß.
Wo wir gerade von Vintage Equipment sprechen: ROLAND, der Dachkonzern von BOSS, feiert dieses Jahr den 30-ten Geburtstag des JC-120 Jazz Chorus Gitarrenamps. Besitzt Du einen?
Joe: Ja, ich besitze ein Paar von den Combos – beide (JC-120) mit 2x12 Speakern. Nichts anderes hat diesen Sound...es ist ein ganz eigener Klang. Ich probiere so wenig Zeug wie möglich in meinem Studio zu haben, aber ich habe immer wenigstens einen Jazz Chorus zur Hand. Der Gitarrist von White Lion benutzte die Roland JC Topteile. Ich kaufte ihm vier von diesen Tops am Ende der Tour ab, also besitze ich vier von denen und mein Paar Jazz Chorus Combos.
Wir hörten, das Du auch ein Roland VG-8 benutzt. In einem Interview mit dem Mix Magazin wurde Produzent Kevin Shirley zitiert: „Als wir das Aerosmith Album aufnahmen, zeigte ich Joe mein VG-8. Er sagte etwas wie: 'Sowas habe ich noch nie benutzt. Wenn ich ne 12-Saitige brauche, nehme ich mir eine 12-Saitige. ' Aber wenn Du ihn jetzt live siehst, hat er ein VG-8 angeschlossen.“
Joe: Yeah, ich habe zur Zeit zwei Gitarren – eine Strat und eine Les Paul – mit Pickups für den VG. Das Beste daran ist das Tracking. Ich benutze es viel zum Komponieren, und einiges auf meinem Solo-Album ist aus dem VG-8. Das ist mir lieber als ans Keyboard zu gehen. Ich benutze außerdem ein Set (Roland) V-Drums. Nichts kann das ersetzen.
Erzähl uns etwas über Deine neue Solo-CD.
Joe: Heutzutage ist es so schwer überhaupt etwas Aufmerksamkeit zu bekommen, also dachte ich mir: „Bringe es auf den Punkt und nenne es – Joe Perry“. Die andere Sache ist das es ein echtes Solo-Album ist. Ich schrieb die Songs, alle Texte, sang, spielte Bass und alle Gitarren, spielte alle weiteren Saiteninstrumente und GuitarSynth -  ich spielte eigentlich alles außer den Drums und der Percussion, das war Paul (Caruso). Paul lebt gleich nebenan und kennt sich sehr gut mit Digitalaufnahmen aus, aber ist auch Old-School, und weiß wie man mit Bandmaschinen und so umgeht. Er hat etwas Engineering und Pre-Production auf den letzten paar Aerosmith-Alben gemacht, und er ist ein unglaublicher Trommler und Percussionist. Ich habe schon viel mit ihm gemacht und wir sind ein gutes Team geworden. (Ed – der ebenfalls als Gast auf der CD zu hören ist, ist Perry’s Freund Chris Noise, der an  der Berklee School of Music unterrichtet).

Ist es ein Hard Rock Album?
Joe: Es umfasst ein großes Spektrum, aber, ja, es ist ohne Zweifel ein Hard Rock Album. Da sind sehr harte Sachen darauf, aber es gibt auch ein paar Balladen und Mid-Tempo Rocker. Es gibt nicht viele lange Gitarrensoli, eben grade so das es passt. Das Album besitzt 11 Original Tracks, sowie Coverversionen von The Door’s Crystal Ship und Woody Guthrie’s Vigilante Man. Die meisten Songs sind meiner Muse gewidmet – meiner Frau. Alles kommt direkt aus meinem Herzen. Es ist ein Fenster zu dem was in mir vorgeht, und darum habe ich auch kein Problem damit es Joe Perry zu nennen.
Welche Roland/Boss Geräte sind außer dem VG-8 häufig auf dem Album zu hören.
Joe: Viele verschiedene BOSS Pedale – meistens für Fuzz-Sounds. Ich benutze viele Vintage Amps, aber manchmal braucht man etwas mehr um diesen Extra-Touch zu bekommen, wie ihn mir die Boss Pedale liefern.
Hast Du direkt mit Effekten aufgenommen, oder hast Du sie später hinzugefügt?
Joe: Ich nehme fast immer alle Effekte so auf, wie sie aus dem Amp kommen, als hinterher entscheiden zu müssen. Ich bin ein großer Fan davon, den Gitarrensound so aufzunehmen, wie er ist. Wenn man sich diese Entscheidung für später aufhebt, nimmt es eine Menge Spontanität.
Was Amps, Gitarren und Räumlichkeiten angeht, was ist Dein heutiger Ansatz um einen tollen Gitarrensound auf die Aufnahmen zu bekommen?
Joe:Normalerweise stelle ich ein Mikrofon sehr dicht an meinen Amp und dann suchen wir den Sweet Spot. Vielleicht stellen wir dann noch ein Mikro in den Raum, falls ich ein wenig natürlichen Slap-Back haben will. Im meinem Studio haben wir einen speziellen Platz für meinen Combo. Dann haben wir ein Kreuz auf den Boden gemalt, wo der Sound von der Rückwand reflektiert wird. Wir zielen dann mit dem Mikro auf die gegenüberliegende Wand und bekommen so ein paar Millisekunden natürliches Delay.
Der wahrscheinlich lauteste Amp den ich im Studio benutze, hat 45 Watt mit einem 10er oder 12er Speaker. Es muss schon einen sehr guten Grund geben einen Amp mit mehr Leistung zu benutzen. Kleine Amps sind gebaut um laut zu sein, und klingen aus der Nähe auch sehr gut. Ich meine, wenn Du eine 4x12er Box mit 100 Watt Marshall Top benutzt, kann es gut klingen wenn du einen ganzen Raum beschallen willst. Aber wenn du mit einem Mikro nur einen begrenzten Raumausschnitt aufnehmen kannst, muss man da anders rangehen. Meine eigene Theorie ist, dass es gerade im Studio besser ist, je kleiner Amp und Speaker sind. Ein 8er Speaker zum Beispiel ist dazu designed, sein Frequenzspektrum in einem kleinem Raum abzugeben, und damit wird es für ein Mikro einfach den ganzen Sound einzufangen. Wenn ich ein Bändchen Mikrofon mit (hoher SPL) Toleranz und einen kleinen Amp benutze, kriege ich einen viel größeren und harmonischeren Sound, als wenn ich probiere, einen 100 Watt Marshall Amp mit einem Haufen Mikrofonen im Raum abzunehmen.
Wir müssen dir wenigsten eine Frage über Deine neue Chilisauce stellen. Wie schmeckt sie?
Joe: Für alle die sie noch nicht kennen, probiert sie unbedingt. Sie ist wirklich gut. Wir haben eine extra Website dafür eingerichtet – www.joeperrysrockyourworld.com.

Text: Greg Rule