Interview mit Johnny Douglas, Produzent von George Michael, Text: Aubrey Parsons
Johnny Douglas hat als Produzent und Songschreiber für einige der größten Namen im Business gearbeitet - einschließlich Tom Jones und Tina Turner. Aubrey Parsons traf ihn, als er dabei war, sich auf die Arbeit für George Michaels kommendes Album vorzubereiten...


Als ich das Studio betrat, fing Johnny erst einmal an, sich für das Durcheinander zu entschuldigen “Wir wollten aufräumen, bevor Du kamst, aber ehrlich gesagt, so sieht es hier immer aus."

Das Studio ist bis unter die Decke vollgestopft mit Keyboards, Computern und Sounmodulen; Die meisten dieser Geräte - alt und neu - stammen von Roland.

AP. Wie hast Du angefangen?
JD. Schon als Kind habe ich mich für das Singen und Stückeschreiben interessiert - ich wollte der nächste George Michael werden. Als ich älter wurde, bekam ich dann einen richtig schlechten Deal für drei oder vier Tausend - echt übel. Connor Reeves, ein anderer Singer/Songwriter hat damals am selben Tag wie ich unterschrieben. Als ich ihn singen hörte, hätte ich beinahe sofort auf der Stelle aufgegeben. Ich habe mit Singen aufgehört und nur noch Stücke geschrieben. Fast jeden Tag kam ich zur Publishing-Firma und lieferte Stücke - ungefähr 200 pro Jahr. So habe ich gelernt, Geräte zu benutzen. Ich habe auch Platten aufgelegt und Heavy Metal-Gitarre gespielt, Ich habe Coverversionen von Bryan Adams und AC/DC gemacht. Die Musik von Stevie Wonder und Quincy Jones gefiel mir auch sehr, so hatte ich einen durchaus bunt gemischten Musikgeschmack. Mit dem Mischpult habe ich allerdings garnichts zu tun. Ich bin nur am Sound interessiert, die Technik überlasse ich dem Mischer.

AP. Du hast mit vielen berühmten Leuten gearbeitet, bist aber erst 30.
JD. Ja - klopf auf Holz. Für die letzten fünf Jahre war ich solide durchgebucht. Als ich anfing,kam keine meiner Produktionen über Platz 24 in den Charts. Das war schon bald ein Running Gag. Dann plötzlich ging’s los. Es ist zwar harte Arbeit, aber man braucht im Grunde nur einen großen Erfolg, danach geht es wie von selbst. Das einzige Problem ist, dass jetzt jeder von mir die selbe Platte haben will (Fast Love – George Michael). Wenn Du an einer Platte gearbeitet hast, die Millionen verkauft hat, wollen Deine Auftraggeber natürlich dasselbe Erfolgsrezept. Ich interessiere mich für zu viele verschiedene Musikrichtungen, als das ich immer mit dem selben Rezept arbeiten könnte. Wenn ich den ganzen Tag nur R&B oder 2 Step machte, würde ich wahrscheinlich bald durchdrehen und anfangen, in einer Bank zu arbeiten.’

AP. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit George?
JD. Ich habe hier in den SARM West Studios mit einem Mädchen namens Lisa Moorish gearbeitet, die eine Coverversion von "I’m Your Man" machen wollte. George hat, ungefähr zwei Wochen bevor wir mit dem Stück anfingen, in Studio Zwei gearbeitet. Wir haben T-Shirts wie das alte "‘Choose Life!’ Wham!" drucken lassen und schickten ihm eines davon. Es hat funktioniert, er kam ins Studio, hörte sich das Stück an und es gefiel ihm. Eines Tages rief er mich an, spielte mir “Jesus To a Child” und einige andere Stücke vor und fragte mich, ob ich etwas für ihn machen wollte. Ich hüpfte für ungefähr 10 Minuten herum, als wenn ich im Lotto gewonnen hätte. Dann habe ich “Fast Love” und “Spinning the Wheel” auf dem Album gemacht. Jetzt arbeiten wir am neuen Album.

AP. Wie arbeitest Du normalerweise?
JD. Mit George fangen wir bei Null an und entwickeln das fertige Produkt. Normalerweise machen wir einen Roughmix des Playbacks und er singt dazu. So baut sich das Stück auf. Wir bauen für George ein RADAR (Hard Disk System), Mischpult und Effekte in einem extra Raum auf, wo er alleine arbeiten kann. Ich arbeite separat an der Musik. Wenn die Vibes nicht stimmen und der Song nicht vorankommt, machen wir eben mit etwas anderem weiter. Um die Stimmung zu halten muss ein Stück schnell entstehen, aber es muss gleichzeitig gut genug für eine Platte sein.

AP. So arbeitet ihr gleichzeitig am selben Stück aber in getrennten Räumen?
JD. Ja. Wenn ich irgendetwas am Stück verändere, spielen wir einfach einen Stereomix auf Georges RADAR, so dass er daran arbeiten kann. dann bouncen wir alles auf ProTools und machen damit weiter.

AP. Wie weit seid ihr mit dem Album?
JD. Wir habe jetzt etwa 18 Stücke in verschiedenen Musikstilen. Nun müssen wir uns alle genau anhören und festlegen, wie wir ein Album daraus machen, welches sich deutlich von den vorherigen Alben unterscheidet. Man kann nicht einfach eine Trance-Platte machen und Georges Gesang obendrauf packen. Es wird wie jemand anderes klingen. Seine Platten haben immer etwas Besonderes. Wir werden heutzutage mit so viel Musik bombardiert, dass unsere Sinne abstumpfen. Es ist wichtig, dass er seinen eigenen Sound hat.

Über den VP-9000
"George und ich haben jeder einen VP-9000, die wir auch viel benutzen. Als er seinen das erste mal in’s Studio mitbrachte, habe ich es erst für einen Gimmick gehalten. Aber nach kurzer zeit hatte ich mich so daran gewöhnt, damit zu arbeiten, dass ich mir selbst einen gekauft habe. Wir hatten etwa 18 Track-Ideen und Melodieschnipsel, die wir in den VP-9000 geladen haben. dann nehmen wir einen Lopp wie z.B. einen alten Funk Bass-Track, laden ihn auch in den VP und spielen mit den Tonarten herum. Man kann die Taste drücken und den Akkord wechseln, ohne dass das Sample neu gestartet wird - das hat meine Arbeitsweise echt verändert. Plötzlich können wir verschiedene Akkordwechsel zu Break Beats ausprobieren. Ohne den VP müsstest Du mehr oder weniger bei einem Break Beat bleiben und darum herum arbeiten.Wenn es z.B. ein 8-taktiges Sample war, musstest Du den Gesang daran anpassen. Jetzt können wir den Beat selbst verändern. dadurch werden Samples unglaublich flexibel und man spart eine Unmenge Zeit. Der VP ist ein wirklich aufregendes Instrument, mit dem man wunderbar herumexperimentieren kann."


AP. Wie lange werdet ihr noch brauchen, um das Album zu vollenden?
JD. Schwer zu sagen. Manchmal entstehen Stücke in wenigen Tagen, manchmal dauert es Monate. Ich habe im Moment noch eine Menge andere Projekte laufen, aber Georges Album hat allereste Priorität. Wenn George allerdings z.B. sagt, er verschwindet mal nach L.A. für eine Woche, nutze ich die zeit, um an meinen anderen Projekten zu arbeiten. Ich möchte immer Platten veröffentlichen und nicht wegen der Arbeit mit George für zwei Jahre von der Bildfläche verschwinden. Ich muss mein eigenes Profil erhalten, indem ich Platten in die Charts bringe. Für mich bedeutet die einzige Art weiterzuarbeiten, Hits zu haben und Du bist immer nur so gut, wie Dein letzter Hit. Um zum Punkt zurückzukommen - ich denke, wir werden noch mindestens neun Monate brauchen.

AP. Hast Du unerfüllte Träume?
JD. Ich möchte unbedingt in Amerika Erfolg haben. ich hatte einige recht erfolgreiche Sachen in UK und Europa, aber die USA sind ein kompletter Kontinent, der erobert werden will. Ich würde auch gerne einmal mit Heavy Rock Bands wie z.B. Limp Bizkit arbeiten. Beide Projekte wären grosse herausforderungen.


AP. Gibt es Dir einen Kick, wenn Du das Radio anschaltest und eines Deiner Stücke hörst?
JD. Ja klar, ich erinnere mich eines Tages im Radio drei Stücke von drei verschiedenen Künstlern hintereinander gehört zu haben und an allen war ich beteiligt - das war schon klasse. Aber das Problem ist, man gewöhnt sich so daran, dass man irgendwann genervt ist, wenn man kein Stück in den Charts hat. Es macht auch viel Spass, wenn du den Fernseher anschaltest und Deine Musik im Hintergrund von Queen Vic oder Coronation Street hörst.