Interview mit Flaming Lips
Wenn die Flaming Lips die Bühne betreten, startet eine Show, die weltweit einziartig ist. Von lebensgroßen Zirkustier-Kostümen bis hin zu Konfettikanonen, grellfarbigen Instrumenten und surrealistischen Videoprojektionen, dient jedes Detail einer Flaming Lips Show dazu eine Stimmung von teilweise musikalischem Chaos und teilweiser Kunst-Performance zu erzeugen.
Als Schöpfer einiger der visionärsten, experimentellsten und denkwürdigsten Popmusikstücke des letzten Jahrzehnts haben die Lips regelmäßig Kritiker und College Radio Fans in Erstaunen versetzt. Wie experimentell sind sie eigentlich? Denken Sie an Low Budget-Filme über Weihnachten auf dem Mars, Vier-CD-Sets die gleichzeitig auf vier CD-Playern abgespielt werden sollen oder ein Konzept-Album auf dem ein heldenhaftes japanisches Mädchen fiese rosa Roboter bekämpft. Es ist alles äußerst merkwürdig… Pink Floyd merkwürdig… Sgt. Pepper’s merkwürdig… Beck merkwürdig.
Jetzt haben die Lips mit Yoshimi Battles the Pink Robots endlich ihre außergewöhnliche musikalische Genialität dem mainstream zugänglich gemacht, werden überall im radio gespielt, haben ein Hit-Video auf MTV, eine Grammy-Nominierung und spielen als Opener und Begleit-Band für Beck höchstpersönlich.
Roland Users Group traf sich mit Flaming Lips Bassist/Keyboarder/Engineer Michael Ivins um über das neueste Album, die Tour und die magischen Klänge der Flaming Lips zu sprechen.

RUG: Wie lange wart Ihr jetzt auf Tour?
Michael: Einige Monate - etwa neun Wochen. Dies ist die letzte Station der Beck-Tour, die quer durch die Staaten ging. Danach machen wir einige zeit pause, ,bevor wir 2003 unsere eigene Tour starten.

RUG: Ist dies das erste mal, dass Ihr als Begleit-Band für einen anderen Künstler gespielt habt?
Michael: Nein. Es gab eine band, die The Moles hieß und wir haben eine zeitlang einen ihrer Songs gespielt. Dann habe ich herausgefunden, dass einer der Jungs aus der Band in Boston lebte und irgendwie kamen wir dann zusammen und spielten drei Shows für ihn als Begleit-Band. das war im Grunde das erste Mal.

RUG: Also bist Du schon von Anfang an bei den Flaming Lips?
Michael: Ja - ungefähr 20 Jahre.

RUG: Wie kam es zu dieser Beck-Tour?
Michael: Wir haben Beck seit Jahren immer wieder auf Festivals getroffen und haben einander von Anfang an repektiert. Als eines Tages seine “normale” Band anderweitig beschäftigt war - ich bin tatsächlich nicht sicher, wer wen zuerst angerufen hat - hörten wir davon und dachten das klingt cool. Also kam er erer Show in der Knitting Factory in Los Angeles. Dann flogen wir für 10 tage zu ihm, um mit ihm zu arbeiten und zu sehen, was für Songs gespielt werden sollten und wie wir sie spielen würden.

RUG: Obohl Beck und Ihr bekannte Künstler seid, klingt es als hättet Ihr schon jahrelang zusammen geprobt.
Michael: Ja - ich denke es funktioniert ziemlich gut. Wir haben

einige Songs ein wenig an unsereSpielweise angepasst. Ich meine wir haben ungefähr 25 bis 30 Songs geprobt und natürlich gab es darunter einige, die aus unterschiedlichen Gründen nicht so gut zu uns passten. Also haben wir eine Menge feinarbeit während der letzten 4 oder 5 Shows geleistet, bis wir zu einem Set kamen, dass jetzt nicht mehr verändert wird. (lacht) Wir wollten die Songs auch nicht so sehr verändern, dass man sie live nicht wiedererkennt. Aber zu genau nehmen wollten wir es auch nicht.

RUG: Also bist Du der meinung, dass Ihre becks material einen Flaming Lips-Touch verliehen hebt?
Michael: Ja. das Ganze ist etwas aggressiver und vielleicht auch mehr zusammen. Zuerst hatten wir Bedenken, weil es auf Becks Platten so viele Samples gibt und wir den Stücken natürlich auch gerecht werden wollten.

RUG: OK, zurück zu den Flaming Lips. Die Yoshimi Platte hat eine wunderbare Kombination aus intimen akustischen Elementen und und verrückten futuristischen Sounds. Trotzdem passt alles zusammen - eine unglaubliche Platte.
Michael: Danke. Das erzähle ich den Leuten auch immer. Ob Du analoge Sounds oder digitale synthesizer verwendest - es ist alles eine Frage der Wahl der Farben. Warum soll man sich selbst beschränken? Warum soll man nur 8 Buntstifte benutzen, wenn es jetzt 128 gibt? Also verwenden wir, was immer die Botschaft ‘rüberbringt. Manchmal sind das akustische Instrumente und manchmal Synthesizer und Sampler.

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RUG: Mit den Lips spielst Du nicht nur Bass, sondern auch Keyboards. Als was würdest Du Dich selbst bezeichnen?
Michael: Nun ja - wir spielen alle unterschiedliche Rollen auf der Bühne. Aber das erste Instrument, das ich gelernt habe, war Bass. Es war so leicht zu lernen - nur vier Saiten. (lacht) Ich habe einige Gitarrenstunden genommen, bin damit aber nicht weit gekommen. Also habe ich einen bass aus balsaholz oder so genommen. Ich habe ihn nicht einmal gestimmt. das war echter Punk Rock.

RUG: Damals hast Du angefangen mit den Lips zu spielen?
Michael: Nein, ich spielte Bass in einer Punk Band und eines Tages tauchte der Bruder von dem Sänger Wayne Coyner auf der Party auf, wo wir gerade spielten. Dabei gab es einiges Durcheinander... Aber Wayne hatte so eine Art Band, wo er die Bass Parts vorher aufnahm und live über einen Bassverstärker abspielte. Nachdem sein Bruder mich also auf dieser Party getroffen hatte, tauchte er am nächsten Tag bei mir auf und fragte, ob ich in seiner Band mitspielen wollte.

RUG: Wann hast Du mit Keyboards angefangen?
Michael: Naja - wer immer in der band eine Idee hatte, spielte sie auf einem Instrument, was gerade da war. Wir fingen eigentlich erst an, Keyboards live zu benutzen, als die Technik so weit war, dass man sich sein Keyboard unter den Arm klemmen konnte… Unsere Rollen sind auch nicht so strikt festgelegt. Ich würde die band mehr als “Produktions-Team” bezeichnen. Wer immer am schnellsten ist, gewinnt. Normalerweise ist das Steven Drozd, der Keyboards, Bass, Gitarre und Drums spielen kann.

RUG: Ihr benutzt eine menge Roland-Instrumente auf der Bühne. Aber Du hast ein Gerät erwähnt, das ich - glaube ich - noch nie bei einer Live-Band gesehen habe, ein ep-707 Digital Piano, das eigentlich als Home-Piano gedacht ist.
Michael: Ja, das ist nicht einmal ein professionelles instrument. Steven, der die meisten piano parts spielt, geht immer in Musikgeschäfte und testet Panos. Das ep-707 schein immer den wärmsten Klang von allen zu haben - im Grunde wie ein Klavier. Wir sind tatsächlich im Moment auf der Suche nach einem neuen Piano. Etwas ist auf das Piano, welches wir im Moment benutzen, gefallen und hat das Motherboard zerbrochen. Wir haben versucht es zu reparieren aber der Schalter war kaputt und es gab eine menge Kurzschlüsse. Aber jetzt funktioniert es wieder zu 90%. (lacht)

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RUG: Kennst Du Dich mit Elektronik aus?
Michael: Nicht wirklich, ich habe es einfach durch meine Studioarbeit ein wenig gelernt. Ich war meistens mehr auf der Ingenieur-Seite der Band. Für die letzte Platte, die aus vier CDs bestand, war so viel Ingenieur-Arbeit nötig, dass ich mich mehr darauf konzentriert habe.

RUG: Wie helfen Roland-Geräte Euch beim Produktionsprozess?
Michael: Mit der heute so extrem umfangreichen Technologie musst Du nicht mehr lange nach einer Dulcimer oder ähnlichem suchen. Ich meine mit meinem XP-80 [Music Workstation] kann ich einfach ein Patch aufrufen, sehen ob es funktioniert oder den Soundändern und etwas anderes probieren. Also verwende ich den XP-80 auf Tour und im Studio. Er kommt auf allen unseren neueren Platten zum Einsatz. Ausserdem habe ich einen kleinen JV-1010 [Expandable Synthesizer Modul] im Studio mit dem ich sehr schnell an Sounds komme. Der ist mit meinem iBook verbunden, welches ich mit reichlich RAM ausgerüstet habe.

RUG: Erzähl uns mehr über Deine Tour-Ausrüstung?
Michael: Wie Du weißt, benutzen wir live ein ep-707 Digital Piano. Wahrscheinlich sind wir die einzige Band der Welt, die mit so einem piano unterwegs ist, da es ja eigentlich ein Heim-Piano ist… aber es hat diesen warmen “ELO”-Klang. Live benutze ich einen XP-30, da er so schön kompakt ist und man leicht an Sounds kommt. Ich verwende ihr z.B. für die Horn-Sounds auf Yoshimi. Ausserdem sind seine Synth-Sounds schön aggressiv. Auf dieser Tour geht es eigentlich darum, möglicht schnell an auf die und von der Bühne zu kommen. Deswegen benutze ich nur ein Keyboard. Im Studio ist alles möglich. Wenn Du Dich auf der Bühne umsiehst, siehts Du hauptsächlich Roland und BOSS Instrumente, von dem kleinen Sampler [SP-303], den Beck benutzt, bis hin zu den Pedalen und Keyboards. Ausserdem den GT-6 Multieffekt, den Wayne verwendet. Und wir sind alle große JC-120 Jazz Chorus-Fans.

RUG: Und Dein Pedalboard? Es beinhaltet ziemlich viele BOSS-Pedale.
Michael: Ja. Zuerst habe ich mir das
[TU-2] Tuner Pedal besorgt, welche ich für das beste halte, weil es so solide ist. Und dann habe ich noch ein ODB-2 Bass Overdrive, welches hervorragend ist, weil alle Gitarren-Overdrives die Tiefen aus meinem Sound wegnehmen. Mit dem ODB-2 ist es fast, als hättest Du einen Bi-Amp. Es hält den Sound mit allen Tiefen.

RUG: dann gibt es noch das Tremolo Pedal, welches Du “Vintage Do-Good” Pedal genannt hast.
Michael: Ja - ich wünschte es gäbe ein Pedal, welches alles, was Du spielst, gut macht (lacht) Aber dieses kommt schon recht nah heran. Wir verwenden es auf diversen Songs. Ich wünschte, es gäbe auch ein Tremolo-Pedal für Bass. Aber dieses ist klein, kompakt und es funktioniert gut. Ich ziehe es vor, alles kompakt zu haben. Wenn man Tremolo und Distortion kombiniert, entsteht ein ziemlich einzigartiger Effekt. Wenn der Bass ein so wichtiger Teil der Musik ist, kann man sich einen schlechten Sound nicht leisten.

RUG: Heute ist der letzte Tag Eurer Tour mit Beck. Demnächst geht Ihr alleine auf Tour. Was kann man erwarten, mehr Konfetti?
Michael: (lacht) Ja, Das kann sogar zum Problem werden. Es nimmt manchmal so überhand, dass ich schon über einen Schutzmechanismus nachgedacht habe, der das Konfetti von dem Display meines XP-30 fernhält.

RUG: Ihr werdet auch weiter mit Tänzern in Tierkostümen touren?
Michael: Ja. Die touren eigentlich nicht mit uns. das wäre schrecklich. Wir lassen bei jeder Show Fans die Kostüme anziehen und herumtanzen. Wer zuerst kommt, ist dran. Neuerdings versuchen wir mehr Mädchen zu bekommen, weil die weniger schwitzen. Wir mussten die Kostüme zu oft waschen. (lacht)… Aber musikalisch werden wir auf der nächsten Tour noch weiter gehen. Noch etwas verrückter.
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