Norman Cook (Fat Boy Slim) beschreibt die Enstehung seines letzten Albums in sieben Monaten und wie Roland Produkte dabei zum Einsatz kamen.

Text: Aubrey Parsons

Wenn all dies nicht passiert wäre, was würdest Du jetzt machen?
Ich wäre Feuerwehrmann. Es ist so ähnlich wir Musiker sein - Du hängst rum, machst nicht viel und spielst Pool. dann rennst Du los und bekommste einen Adrenalinschock, weil Du einen Baum raufkletterst, um eine Katze zu retten - auuserdem finden die Mädels das Outfit toll.
Mögen sie Dich jetzt nicht?
Denkst Du ich wäre mit Zoë Ball verheiratet, wenn ich Feuerwehrmann wäre? Ich hätte sie nicht einmal getroffen, wenn ich nicht so leben würde!
Waren The Housemartins Deine erstes grosses Ding?
Paul Heaton (The Beautiful South) rief mich eines Tages an und sagte “Wir machen diese Tour und ich glaube wir haben einen Plattenvertrag und der Bassist hat uns verlassen - willst Du es machen?’ Ursprünglich habe ich es einfach als Ersatzmann gemacht, ich dachte es wäre ein Spass. Als nächstes war ich plötzlich Top of the Pops. Obwohl es eigentlich nicht direkt meine Musik war, war es schwierig zu sagen “ich will nicht mehr und werde wieder arm, um Platten mit meinem JX–3P zu machen!” Das gute war, dass ich einiges Geld zusammenbekam, um neues Equipment zu kaufen. Als ich ausstieg, kaufte ich einen S–10 Sampler mit satten vier Sekunden Speicherplatz und einen MSQ–700. Bis vor ungefähr zwei Jahren habe ich nur Roland Instrumente benutzt. Ich tendiere immer noch zu Roland. Akai für Sampler und Roland für alles andere. Mein Leben hat sich allerdings geändert, als ich den VP–9000 bekam.

War es Dein Entschluss. das letzte Album zu machen oder hat die Plattenfirma Dich gefragt?
Skint Records, meine Plattenfirma fragte “Was willst Du machen” sie sind Freunde von mir. Sony als Lizenzeigner haben nicht einmal meine Telefonnummer - so können sie mich auch nicht nerven. Skint sagte, “Naja - die letzten drei Jahre waren ziemlich mental - entscheide Dich, was Du machen willst". Ich habe drei Monate Pause gemacht, weil ich zwei Jahre unterwegs auf Tour war. Dann wurde Zoë schwanger. Also musste ich entweder ein Album innerhalb eines Jahres auf den Markt bringen und promoten oder zwei Jahre warten - so würden drei Jahre vergehen, bevor es herauskäme. Skint war beides recht, aber sie sagten: “Wenn Du es machen willst, dann jetzt!” Wir rechneten also von Woddys voraussichtlichem Gebutsdatum zurück. Ich musste drei Monate Promotion machen. Die Platte sollte im Oktober erscheinen - also musste sie Ende August fertig werden - das war die Deadline. Die letzten zwei Monate habe ich sechs Tage die Woche gearbeitet; sieben Tage gegen Ende. Ich gönnte mir nur eine halbe Stunde Pause um Big Brother zu sehen und Tee zu trinken. Es war gut, diese Disziplin zu haben; das war diese Art Radiohead-Syndrom, nach dem grössten Album meiner Karriere. Ich hätte vier Jahre vor mich hin basteln können. Entweder kommst Du sofort mit etwas Neuem oder Du setzt Dich hin und kratzt Deinen Bart für sechs Jahre.

Hat es Dir keine Sorgen gemacht, dass Du an den Riesenerfolg von “You’ve Come a Long Way, Baby”anknüpfen musstest?
Nein, ich habe früh beschlossen, dass es keine “bessere” Platte werden musste. Normalerweise mache ich die besten Sachen, wenn ich es locker angehen lasse. Wenn mir jemand sagt “In einem Monat musst Du eine Hit Single Fertig haben!”, kratze ich mich nach einem Monat wahrscheinlich immer noch am Kopf. Wenn aber jemand nur ein Stück für ein Compilation-Album mit ein paar Samples und einem Hook haben will, wird das wahrscheinlich ein Hit. Ich denke der einzige Weg, ein gutes Album zu machen, war nicht zu versuchen, es besser zu machen. Ich denke ein grosser Teil des Erfolges von “You’ve Come a Long Way, Baby” resultierte daraus, dass wir all die Schnipsel von “Better Living Through Chemistry” verwendet haben, die das Publikum mochte. Ausserdem machte ich mehr Crossover mit Rock, Humor und Witzchen in verschiedenen Musikstilen. Mit den ersten zwei Alben habe ich das bis zum Abwinken betrieben, deshalb wollte ich dasselbe Rezept bei “Halfway Between the Gutter and the Stars” nicht verwenden. Die Leute haben mir gesagt, mit echten Sängern zu arbeiten wäre eine interessante Herausforderung, da ich das seit Jahren nicht mehr gemacht hatte. Ich wollte das ganze mehr Song- als Sample-basiert. Ich wollte, dass es eher in Nachtclubs gespielt, als durch’s Radio geschoben würde. Im Grunde sanfter künstlerischer Selbstmord.

Du hast mit grossen Namen gearbeitet…
Ja, ich habe einiges mit Bootsy Collins gemacht und das hat prima geklappt. Wir liegen auf gleicher Wellenlänge. Mit berühmten Leuten zu arbeiten, hat mich ziemlich eingeschüchtert. Für die Bonos dieser Welt ist es kein Problem, ins Studio zu schlendern und eine Aufnahme zu machen. Ich glaube, wenn ich mit einem Megastar im Studio wäre, säße ich in der Ecke und würde denken “oh Mann, was soll ich jetzt bloss machen” Es war gut, dass ich die erste Person schon kannte und ich wusste, dass es ein Spass werden würde. Bootsy war die Wahl der Stunde. Dann fragte die Platteenfirma, wer die Nummer eins auf meiner Wunschliste sei. Ich sagte, dass mir Macy Gray gut gefiele. Eine Woche später hatte ich die Nachricht: “Macy sagt ja, wan willst Du anfangen” Ich war perplex. damit wurde ich ins kalte Wasser geworfen, aber es hat bestens funktioniert.

Wie hast Du das Stück mit Macy geschrieben?
Ich habe ihr drei Grooves geschickt. Sie rief zurück und sagte: Lass uns alle drei machen” Wir wollten die Aufnahmen hier in meinem kleinen Studio machen. Unglücklicherweise hatten wir Probleme, einen gemeinsamen Termin zu finden und so endeten wir in LA bei Sunset Sound in dem Raum, wo die Doors "Riders Of The Storm" aufgenommen hatten. Wir mussten den Engineers im Studio erklären, was wir vorhatten und die mussten das Studio für uns umrouten. Simon Thornton, mein Engineer und ich arbeiten seit 12 jahren zusammen, wir haben eine Art musikalische Telepathie. Ich mache irgendetwas und sage “wollen wir mal …” und er sagt… “schon passiert”. Eine Augenbraue heben heisst “mehr Compression” u.s.w... Jetzt waren wir plötzlich in einem anderen Studio, wo wir uns nicht auskannten. Wir hatten keine Ahnung, welches Equipment dort verwendet wurde. Wir sind gewöhnt, ADAT zu benutzen. Wir dachten, wenn wir diese ganzen verschiedenen Vocals mit Macy probieren wollen, haben wir die Rhythmusspur auf zwei Adat-Spuren, den Code auf einer Spur und so 5 Spuren zum Aufnehmen. danach wäre Schluss. Wir hatten nur zwei Tage für alles. Dann sagte jemand wir sollten einfach zwei ADATs zusammenhängen. Wir sagten OK - wie geht das? Wir haben zu Hause nur einen - ist es das wofür die Buchse auf der Rückseite da ist?”
Dann habe ich alles mit zurückgebracht, auf den S-3000 Sampler überspielt und einen Song daraus gemacht.

Und Du hattest offensichtlich die Hoffnung, dass alles so funktionieren würde?
Nein - die Hoffnung war, dass sie am ersten Abend überhaupt auftauchen würde. Ich dachte "Ich mag ihren Gesang, sie mag meine Rhythmus-Tracks, aber was ist, wenn wir dieses ganze Geld für Flüge nach L.A. und für Studiomiete verbraten haben und sie singte etwas und es ist nix? Sitze ich hier für drei Tage, mache nette Geräusche und fahre nach Hause und schmeisse es weg?" Wir hatten Bedenken, dass Macy mit irgendetwas kommen könnte, was uns nicht gefallen würde. Aber schon als wir am ersten Tag den Kopfhörer-Mix hörten, bekam ich eine Gänsehaut und wusste - das würde funktionieren.


Wie war es mit Jim Morrison zu arbeiten?
Er war leise. Viele Leute hatten gesagt, es würde schwierig sein, die Erlaubnis zu bekommen, seine Stimme zu benutzen. Ich hatte schon vor einigen Jahren ein Demo gemacht, dass dann nich herauskam und bevor wir loslegten, schickten wir es zum Jim Morrison Estate. Wir dachten, da wäre eine 50/50 Chance, dass sie nein sagen würden. Einige Leute darf man einfach nicht sampeln. Aber sie waren grossartig. In der Zwischenzeit hatte die Plattenfirma das Bootleg seiner Stimme verloren, für das sie die Erlaubnis einholen wollten. So mussten wir, nachdem wir die Erlaubnis des Estate hatten, sie noch um eine Kopie des Samples bitten, welches sie natürlich nicht hatten. Am Ende fanden wir im Internet den Präsidenten der Jim Morrison Appreciation Society, der Zugang zu Jim’s Master Tapes hatte und der gab uns eine CD mit der Stimme drauf. Jims Estate war sehr kooperativ. Ich habe keine Ahnung, was das Sample gekostet hat, aber ich bin sicher, es war nicht billig.

Wird “Halfway Between the Gutter and the Stars” dein letztes Album sein oder kommt noch mehr?
Ich habe endlich das schwierige dritte Album fertigbekommen und denke ich könnte das jetzt für den Rest meines Lebens tun. Das ‘Fat Boy’-Projekt gibt mir weitgehende Freiheiten. Ich kann mit Sängern arbeiten, ich kann Dance Music machen oder Pop. Solange ich keine Power-Balladen mache, kann ich tun, was ich will.

Wirst Du jetzt auch mit den Pseudonymen aufhören?
Ja, ich denke mit 37 ist es zu spät noch mal von Vorne anzufangen und zu versuchen, die Leute zu überreden meine Platten zu veröffentlichen. das habe ich jetzt vier mal gemacht. Es sieht so aus, als habe ich mir eine gewisse Reputation als ‘Fat Boy Slim’ aufgebaut, also wäre es dämlich, das zu zerstören und neu anzufangen.

Im Moment bist Du voll mit Sohn und Frau beschäftigt - was sind Deine Pläne für den Rest des Jahres?
Ich reise immer noch herum, um das Album zu promoten, aber ich mache das mehr sporadisch. Ausserdem habe ich einige Verpflichtungen in Amerika und Australien. Jedem Monat gehe ich für eine Woche auf eine längere Reise. Abgesehen davon mache ich einen Track für den neuen Baz Lerman Film, Moulan Rouge und eventuell werde ich eine richtige Band produzieren.

Eine echte Band mit richtigen Instrumenten?
Ja, aber ich sage nicht wen. Wegen des Babys werde ich keine eigenen Platten machen. Platten machen ist ein großer Spaß, aber die Promotion kann ein wenig lästig werden. Speziell weltweit. Eine Platte in UK promoten dauert einen Monat - weltweit zwei Jahre.

Welches Deiner Instrumente ist Dir am liebsten?
Oh, die 303. [Er greift in seinen Hemdkragen und zieht eine silberne Kette mit einer Miniatur-303 aus Silber heraus] Es war ein Hochzeitsgeschenk von meinem besten Freund.

Du hast ein Stück mit Namen “Everybody needs a 303” geschrieben. Ist das Deine Meinung?
Nein - das Sample lautete einfach “Everybody needs love”. Ich denke nicht, dass jeder eine 303 in seinem Leben braucht. Ich allerdings brauche eine. Zu einem bestimmten Zeitpunkt hieß der Track “Everybody Loves a 303” – was meiner Meinung nach stimmt. Früher habe ich Gitarre gespielt. Ich habe aber nie angefangen sie zu sammeln und Leuten zu zeigen. Sie waren einfach Instrumente, welche ich spielte und Grimassen dazu schnitt. Die 303 ist mein Equivalent für eine Telecaster. Ich glaube eine Menge Leute in der Dance Musik denken genauso. Für mich ist sie das ausdrucksstärkste elektronische Instrument, das es gibt.

Wer war der fette Junge auf dem Cover von “You’ve Come a Long Way, Baby”?
Keine Ahnung. Er war jemand, der auf einer Fat Convention in Amerika ungefähr 1985 fotografiert wurde. Zu dem Zeitpunkt sollte das Album “Viva La Underachiever” heißen. Ich dachte, es wäre prima, ein richtiger Schlaffi zu sein, zu Hause zu sitzen und mit meiner 303 zu spielen und mich nicht um Erfolg zu kümmern.

Hattest Du genug Erfolg oder willst Du noch mehr?
Mehr brauche ich nicht. Ich hätte aber auch keine Lust, jetzt aufzuhören, da ich sicher heftige Entzugserscheinungen bekommen würde.
Noch größer sollte es allerdings auch nicht werden. Deswegen stört es mich auch nicht, wenn das Ganze etwas nachlässt. es bedeutet, dass ich ein Stück meines Lebens wiederbekomme. Ich bin ein großer Fan von Moby. Ich bin kein Fan seiner Musik - aber alles, was ich nicht tun will - er machts.

Zu guter Letzt – Du und Zoë scheinen eines der wenigen glücklichen Showbiz-Paare zu sein. Bist Du glücklich, im Rampenlicht zu stehen?
Seit wir nicht mehr in London leben, sind wir nicht mehr so sehr im Zentrum der Aufmerksamkeit. Aber wir wollen lieber für eine funktionierende, als für eine große Showbiz-Ehe bekannt sein.