Interview mit Dave Navarro

Einige Musiker sind berühmt für ihre Koteletten – respektiert und verehrt von den Fachleuten, spielen sie ihr Instrument auf einem Level, von dem die meisten Sterblichen nur träumen können. Andere Musiker, sind wiederum berühmt für ihre Persönlichkeit. Mit ihrer Bühnen/Bildschirmpräsenz ziehen sie alle Aufmerksamkeit auf sich. Gelegentlich gibt es Musiker, die für Beides gleichermaßen bekannt sind – ein „Player’s Player“, der diese Extradosis Rock-Star Faktor mitbringt. Wie zum Beispiel Dave Navarro...

Während seiner Zeit als Leadgitarrist von Jane’s Addiction und den Red Hot Chili Peppers, erlangte Dave einen Superstar Gitarristen Status durch seine ungezügelte Psychedelic-trifft-Metal Herangehensweise an das Instrument. Gitarristen lieben ihn und auch die Mainstream Medien. Dave zierte zahllose Magazin Cover, er fütterte MTV mit Bildern aus seinem Privatleben mit Carmen Electra für die Reality Show ‚Til Death Do Us Part’, und wurde Co-Moderator von RockStar INXS – eine Primetime CBS/VH-1 Wochenshow, die die Suche nach einem neuen Leadsänger für die Band INXS dokumentiert.

Neuerdings findet sich Dave in der inoffiziellen Rolle als „BOSS-Artist Ikone“, und erscheint in Anzeigen, Interviews und Events im Auftrag von Roland und BOSS. Das scheint wie eine Fügung des Rock-Himmels, denn Dave besitzt eine gut dokumentierte Geschichte als Benutzer von BOSS Equipment.

BOSS traf sich mit Dave zum Abschluss der RockStar Staffel und wir erfuhren die Wahrheit über seine Liebe zu den Bodentretern, und andere interessante Fakten und Anekdoten aus der Welt des Rampenlichts.


Es sieht aus, als würde es richtig knallen seit du RockStar INXS moderierst. War der Job härter als er im Fernsehen aussieht?
Dave: In Wahrheit musste ich mich nur zurücklehnen und mir die ganze Nacht Rocksongs anhören, das war also nicht hart.
Wie bekamst du den Job?
Dave: Sie riefen mich an und fragten ob ich daran teilnehmen möchte. Ich bin ein großer Fan von Mark Burnett [Schöpfer der Show] und ich bin ein großer Rockmusik Fan, das war also die perfekte Kombination für mich. Ich traf mich mit den Jungs von INXS, hörte mir einige der Songs die sie spielen würden an, hörte einige der Kandidaten, und ruckzuck war ich dabei.
Du benutzt seit Jahren BOSS Produkte. Hast du Lust in ein paar Erinnerungen zu schwelgen?
Dave: Ich benutze BOSS Pedale seit ich ein Kind bin. Mein erstes BOSS Pedal war das T-Wah [TW-1]. God, ich muss zu der Zeit  12 oder 13 gewesen sein. Dann besorgte ich mir einen kleinen Flanger, besorgte mir eines dieser orangen Distortion Pedale [DS-1], einige Delays [DD-Serie] und ich habe seitdem kaum etwas anderes benutzt.
Es gab eine Zeit in den 80ern, in der alle Gitarristen diese Racksysteme benutzten, und ich probierte das auch eine kurze Zeit. Dann probierte ich einige Sounds und Effekte einzustellen, aber stellte dabei fest, dass ich damit die Fähigkeit verlor, die Knöpfe auf dem Boden so zu verstellen, wie ich es mag. Also kam das alles auf den Schrott und ich blieb bei meinem BOSS-Zeug.
Bist du der Typ Gitarrist, der ein Pedal zu einem bestimmten Zweck kauft, oder kaufst du einfach gerne Equipment um damit rumzuspielen?
Dave: Das ist unterschiedlich für Live oder Studio. Mein Live-Setup ist mehr zweckgerichtet. Ich benutze ein Wah, einen BOSS Octaver [OC-3], Chorus [CH-1], Distortion Pedal [DS-1] und zwei [DD-3] Delay Pedale, die auf unterschiedliche Geschwindigkeiten eingestellt sind. Ich benutze gerne unterschiedliche Pedal-Kombinationen um verschiedene Sounds zu emulieren, die ich evtl. im Studio benutzen würde. Einer meiner Favoriten ist der Octaver in Kombination mit dem Slap-Delay, oder Chorus und Hall gemeinsam. Ich habe die Pedale dicht genug beieinander um gleichzeitig auf zwei Stück treten zu können. Ich trage Boots die dafür groß genug sind. Wenn ich also z.B. einen cleanen Sound haben will, trete ich normalerweise auf  Chorus und Delay gleichzeitig.
Du bist berühmt für deinen Delay Sound. Kannst du uns mehr über deinen Live-Einsatz der BOSS Delay Pedale erzählen?
Dave: Ich benutze gerne ein Delay-Pedal für ein langes Delay und das andere für ein Slap. Beim langen Delay stelle ich dann das Tempo ein. Wenn ich Noten halte und die Tonbildung beeinflussen will, spiele ich mit dem auf lange Delay-Zeiten eingestellten Pedal. Ich habe mir 1997 sogar einen Ständer für mein Delay bauen lassen, um dann in ein Meter Höhe das Tempo einzustellen, ohne mich bücken zu müssen.
Gibst du dir Mühe die Delay Zeit so perfekt wie möglich auf mit dem Song Tempo zu synchronisieren?
Dave: Die Wahrheit ist, dass ich bekannt dafür bin, zu versuchen Tempo und Speed anzupassen, aber es klingt für mich nie wirklich live. Also stelle ich meistens nach Gehör ein, und benutze dann den Sound, der sich für meine Parts oder Soli am Besten anfühlt. Manchmal habe ich die Echos gerne an Stellen, wo sie im Song nicht hingehören, auf diese Weise erzeuge ich eine ätherische Qualität, die den Gitarrensound so klingen lässt, als käme er aus seiner eigenen Welt. Ich bin kein Purist. Man muss nicht unbedingt das Pickgeräusch an den Saiten hören, oder wie sich der Handballen an den Saiten reibt, weißt du? Ich möchte sanft und glatt sein, und klingen als käme ich von Outer Space.
Man sagt, dass du noch nie ein Solo ohne ein BOSS Delay in der Effektkette aufgenommen hast. Ist das immer noch so?
Dave: Das war auf jeden Fall zu Jane’s Addiction Zeiten so. Als einziger Gitarrist in der Band, hatte ich bei Soli immer das Gefühl, das der Sound dünner wird, daher trat ich immer auf mein Delay um den leeren Raum zu füllen. In meiner aktuellen Band [Panic Channel] spielt mein Leadsänger Gitarre, daher benutze ich mein Delay jetzt songdienlicher. Es hängt also wirklich vom Line-Up der Band ab. Falls noch ein Gitarrist in der Band ist, werde ich wohl nicht so drauf beharren, aber wenn es nur ein Power Trio ist, dann yeah, werde ich wohl immer auf das Delay treten wollen.
Jane's Addiction hat so einen eigenständigen, charakteristischen Sound - dank deines nicht geringen Einsatzes des Delay, und auch das des Sängers Perry Farrell. War das Teil des Planes der Band als ihr angefangen habt?
Dave: Weißt du, das Witzige daran ist, dass Perry und ich einen unterschiedlichen musikalischen Background haben. Er kam damals aus einer Goth-Band [Psicom], und spielte mit Vocal Delays herum. Ich kam aus einer Band namens Disaster mit [Drummer] Stephen Perkins, das war mehr so eine Speed-Metal Band. Ich war zu der Zeit sehr stark von David Murray von Iron Maiden beeinflusst. Der Song „The Ides Of March“ vom Killers Album hat ein musikalisches Intro mit sehr viel Delay auf der Gitarre. Sobald ich das hörte....liebte ich diesen Sound. Perry und ich experimentierten also an unterschiedlichen Stellen unser kreativen Vergangenheit beide mit Delays, und als wir uns trafen, war unsere einzige musikalische Gemeinsamkeit diese Liebe zum Delay. Das war sehr interessant, wenn wir die Entstehung von Jane’s Sound betrachten, denn es war die Kombination von ihm und wo er herkam und von mir und wo ich herkam, also völlig unterschiedliche musikalische Orte. Und dennoch waren wir effektmäßig auf der selben Seite.

Wie sieht dein Ansatz bei Studioeffekten aus?
Dave: Ich nehme am liebsten mit meinen Effekten auf. Ich benutze nicht gerne viel Outboard Equipment. Ich mag meinen Tracks später kein Delay hinzufügen. Ich mag es nicht Spuren noch einmal durch einen Amp laufen zu lassen, außer es ist unumgänglich. Normalerweise ist das, was aus meinem Amp kommt auch das, was in den Recorder geht. Ich mag es am liebsten, wenn es genauso wird, wie ich es im Raum aufgenommen habe, und ich denke, dass, wenn ich es einem Engineer übergebe, es nicht so sein wird
Was glaubst du sind die Hauptzutaten um den heutigen „Dave Navarro Sound“ zu bekommen?
Dave: Es gibt da zwei verschiedene Denkweisen. Live ist mein Setup eigentlich während meiner Karriere das Gleiche geblieben, recht einfach. Ich will Live nicht zu viel am Start haben. Wenn ich merke, dass ich den Sound einer Plattenaufnahme nicht so hinbekomme, denke ich mir etwas anderes aus. Daher besteht mein Live Equipment aus einem Board mit ein paar unterschiedlichen BOSS Pedalen und einem Wah. Ich gehe mit meiner Signature PRS Gitarre direkt in mein Pedalboard und von dort damals direkt in den JCM-800, und heute direkt in den JCM-900. Auf größeren Touren habe ich ein Mode-4 [Marshall] Top, welches ich  in erster Linie für die Clean-Sounds benutze, und dann kann ich vom Boden die Top’s von Dirty bis Clean umschalten.
Im Studio läuft es nach dem Motto: „Was immer ich in die Finger bekommen kann, desto besser“. Ich habe normalerweise ein großes Arsenal an Gitarren von Old-School Klassikern bis zu brandneuen BC-Richs und alles dazwischen: Strats, Les Pauls, SGs und natürlich die Paul Reed Smiths. Ich benutze einen Berg unterschiedlicher BOSS Pedale, und ich gehe auch so weit, einige der Old-School Effektpedale zu benutzen – von den rohesten Sounds, die ich finden konnte bis zu den modernsten und komplexesten. Im Studio habe ich immer gerne mal einen Experimentiertag, an dem ich jeden verfügbaren Effekt probieren kann, und ich mir einfach einen aussuche und damit spiele. Ich habe eine sehr genaue Vorstellung, von dem, was ich aufnehmen möchte, und dann verbringe ich einige Stunden nur damit rumzuprobieren. Ich lehne mich zurück, höre mir die Tracks an, und überlege was da noch hinpassen könnte. Ich liebe Verzierungen. Und bei den Verstärkern sieht es ehrlich gesagt genauso aus.
Wo wir gerade davon sprechen, hast du jemals mit dem berühmten Roland JC-120 Jazz Chorus experimentiert?
Dave: Aber sicher. In den frühen Tagen von Jane’s Addiction, benutzte Perry einen Jazz Chorus auf „Three Days“ – einem unserer Songs. Er spielte die Rhythmus-Gitarre über den JC-120, und er hatte immer diesen klassischen Sound. Glaub mir, das Ding war lauter als jedes einzelne Instrument in der Band zusammen [lacht]. Er setzte sich durch alles durch.
Hast du genug vom Fernsehen, oder willst du dich auch in der Zukunft nach anderen Möglichkeiten umsehen?
Dave: Ich liebe diese Show wirklich. Ich meine, gestern Abend musste ich mir „Bohemian Rhapsody“ vorgetragen von Chor und Orchester anhören, und es war großartig. Also, wenn ich es noch mal machen könnte, würde ich es sofort tun.

Wer weiß. Ich bin ein Typ, der sich gerne mit allen Arten der Medien beschäftigt. Ich habe eine Radio Show hier in Los Angeles auf 103.1 FM. Dann bin ich sehr aktiv auf meiner Website [www.6767.com] mit Podcasting und Broadcasting, und ich habe auch Streaming Television dort drauf. Ich liebe die Fernsehshow, ich liebe meine Musik – das sind alles verschiedene Formen des Entertainments. Manche kann man als reines Entertainment bezeichnen andere sind mehr eine Kunstform. Die Veröffentlichung des Buches [Don’t Try This At Home] war sicher mehr künstlerisch, und die TV-Show ist etwas mehr Entertainment, aber ich liebe das alles. Ehrlich gesagt, seit ich diese Show mache, und jeden Abend diese Songs höre und mit all diesen talentierten Musikern abhänge, inspiriert mich das selber wieder ins Studio zu gehen.Dave: Du bist nicht der Erste, der das sagt [lacht].

Text: Greg Rule & Chris Brouelette