Interview mit Andrew Strong, Text Aubrey Parsons
AP Dein erstes Soloalbum Strong wurde 1993 veröffentlicht. Was hast Du seitdem gemacht?
AS Ich war mit einer Menge Leute auf der Bühne: Lenny Kravitz, The Rolling Stones, Bryan Adams und Elton John. Seit den Commitments habe ich drei Soloalben veröffentlicht und auf Alben von zwei anderen Künstlern gastiert. Ausserdem habe ich die Rugby-Nationalhymne mit Phil Coulter und einige Werbespots für Autofirmen und Firmen wie Coca-Cola® gemacht.

AP Du bist gerade mit Deinem neuesten Album fertiggeworden - wie heißt es?
AS Out of Time. Es ist nach einem alten Stones-Stück von ihrem1996er Flowers Album benannt.

AP Alles Cover-Songs?
AS Ja - ursprünglich wollte ich eine Mischung aus eigenen und ein paar Cover-Songs machen aber ich habe dann beschlossen, dass das nur für Verwirrung sorgen würde. Also habe ich die Plattenfirma um mehr Geld gebeten, um ein komplettes Cover-Album zu machen - die fanden die Idee prima. Wenn Du meine letzte Platte hörst, wirst Du eine Menge Ärger und Frustration spüren - Out of Time ist wesentlich entspannter.

AP Wann hat die Musik Dich gepackt?
AS Mit ungefähr 12. Meine erste Band war eine Coverband mit Namen Perfect Strangers. Wir spielten Free, Sam Cooke, Joe Cocker etc.. Dann habe ich in einer Band mit eigenen Stücken gespielt, wo wir alles etwas ernster nahmen, danach kam der Film… das ist jetzt 10 jahre her.

AP Dein Vater Rob ist ein sehr bekannter Sänger in Irland. Würdest Du sagen, dass er einen großen Einfluss auf Deine Stimme gehabt hat?
AS Klar, das hat mich beeindruckt, er geht los spielen und bekommt Geld dafür… Ich dachte mir: “das sollte ich auch mal versuchen” In der Schule wollte ich Architekt werden, da ich alte Gebäude liebe, das habe ich aber dann fallen gelassen, als ich mit der Musik begann. Jetzt ist auch meine jüngere Schwester musikbegeistert, obwohl sie das früher nie interessiert hat.

AP man kennt Dich in erster Linie für Deine Stimme - was für Instrumente spielst Du?
AS Vor fünf oder sechs Jahren habe ich angefangen, bei Live-Auftritten Gitarre zu spielen. Die Leute kennen mich im Prinzip als Sänger und so finde ich das auch gut. Es ist mir egal, ob die Leute wissen, dass ich auch Instrumente spiele. Solange dieses (zeigt auf die Stimmbänder) funktioniert, ist das alles, was zählt. Eine kaputte Gitarrensaite kannst Du ersetzen - die Stimme nicht!

AP benutzt Du irgendwelche BOSS oder Roland -Geräte?
AS Ja., ich habe ein GT5 und jede Menge BOSS-Pedale. Ich interessiere mich auch für Sonderanfertigungen. Ich liebe all diese merkwürdigen Hippy-Typen in Amerika, die eigenartige Pedale herstellen. Ich habe auch einige Rodger Mayer-Geräte. Ich mag die alten BOSS Chorus-Pedale. Ausserdem verwende ich BOSS Equalizer und Delays. Ich liebe die Robustheit der BOSS-Geräte. Mein Gitarrensound ist sehr simpel – Normalerweise verwende ich höchstens drei Pedale gleichzeitig. Im Studio verwende ich das GT5 für abgedrehte Effekte, es bietet einige phänomenale Sachen und die Vorverstärker sind erstklassig. Ich habe nur nicht die Geduld, es live einzusetzen. Ich bevorzuge die Einfachheit der BOSS-Pedale - Lautstärke, Klang, Drive - das war’s. Es macht das Leben leichter, Sounds beim Live-Spielen einfach zuzuschalten. Im Studio ist das GT5 unschlagbar. Man kann hervorragende Sounds erzielen, ohne einen Verstärker aufbauen zu müssen - schließe es direkt an’s Pult an und los geht’s.

AP Hast Du irgendwelche Roland Harddisk-Recorder benutzt?
AS Ja, als ich meiner Schwester bei ihrer Platte geholfen habe, haben wir ein VS-1680 verwendet. damit haben wir Drums, Bass, Gitarren, Gesang - alles aufgenommen. Für den Preis ist das schon ein unglaubliches Gerät… Wenn Du ein analoges Studio mit diesen Möglichkeiten aufbauen wolltest, bräuchtest Du einen ganzen Raum voller Geräte und es würde ein Vermögen kosten. Dieses kleine Ding bietet alles in einem kompakten Gehäuse. Mit Motorfadern wäre es noch besser... wir müssen einfach mal abwarten, mit was die Jungs als nächstes kommen!

AP Du hast Dein eigenes 32-Spur-Studio?
AS Ja -das habe ich zu Hause. Es ist ziemlich klein - ich werde Dir nicht sagen, von welcher Marke es ist (lacht) - aber es ist vom Feinsten. Ich finde es klasse, ein eigenes Studio zu haben. Viele Bands sparen, um in ein großes Studio zu gehen, machen ein Demo mit vier oder fünf Stücken und wünschen dann, sie hätten einen anderen Mix gemacht - ausserdem ist alles noch viel teurer geworden, als erwartet. Wenn Du Deine eigenen Geräte hast, kannst Du die gesamte Vorproduktion selber machen und verschiedene Ideen zu Hause ausprobieren. Wenn Du dann in ein großes Studio gehst, hast Du eine gute Chance, dass gleich beim ersten Mal alles stimmt.

AP Du hast ein Album mit eigenen Stücken herausgebracht, welches man auf Deiner Website bekommen kann. Was können wir davon erwarten?
AS Ich liebe alle Arten von Musik. In meiner Platttensammlung befinden sich Aufnahmen von Pantera und Sepultura bis hin zu Junior Brown, Chick Corea und Jaco Pastorius. Ich habe Spass an zeitgemässer Musik und der große Vorteil von Musik im Internet ist, dass Du damit 'rumexperimentieren kannst. Aber ich liebe guten aggressiven Rock! Er ist nicht besonders kommerziell, aber wenn Du erstmal den Einstieg in den markt gefunden hast, kann es eine Riesen-Sache werden. Sie Dir Metallica an, sie haben lange gebraucht, aber jetzt haben sie die beste Fangemeinde aller Bands. Wenn Du Metallica-Fan bist, bringst Du dich für diese Band um… Mir gefällt, was gut klingt, aber ich liebe Rock. Eine gute Ballade ist allerdings auch nicht zu verachten...

AP Du hast viel Zeit in Amerika verbracht.
Mit wem hast Du gearbeitet?
AS Ein Freund von mir besitzt die House of Blues Clubs und er hat mich gefragt, ob ich dort nicht singen wollte. Also bin ich hingefahren und habe mit Leuten wie Steve Cropper und Duck Dunn (The Blues Brothers) gespielt. Als ich Steve Cropper das erste Mal getroffen habe, hat er sich bei mir bedankt, dass ich seine Songs

gecovert habe, weil er das Geld gebrauchen könne. Das hat er wirklich gesagt und ich dachte “Oh Mann, wirklich - , Steve Cropper braucht Geld?! Sie sind wirklich sehr nett, ich habe mit ihnen in Boston and L.A. gespielt. Ich war auf der Bühne mit Bruce Springsteen, John Fogerty, Eddie Floyd, Etha James und Paul Rogers von Free - eine grossartige Erfahrung - die ich nie vergessen werde.

AP Gibt es Pläne, eine Tour mit dem Album zu machen?
AS Ja wir werden auf ein paar Festivals in Europa spielen, sobald das Album ‘raus ist. Später werden wir auch in UK und Irland veröffentlichen; in UK werden wir wahrscheinlich gegen Ende des Sommers spielen.

AP Wie werden die Songs veröffentlicht?
AS Alle eigenen Stücke werden auf meiner Website www.andrewstrong.com veröffentlicht.

AP Wie sieht’s nächstes Jahr aus?
AS
Eventuell bringe ich noch ein Album heraus aber wahrscheinlich werde ich auch noch einen Film machen. Ein Freund von mir hat gerade sein Drehbuch beendet, an dem er seit Jahren gearbeitet hat. Wenn alles klappt, werde ich ziemlich beschäftigt sein.

AP Ich habe gehört, es wird einen Nachfolger für
The Commitments geben - wirst Du dabei sein?
AS Ein Nachfolger? Keine Ahnung, manche Dinge sollte man auf sich beruhen lassen. Aber - wer weiß - das Script könnte zehnmal besser sein, als das Original oder der absolute Flop. Es kommt echt darauf an. Ich bin jedenfalls dankbar, dass ich mein Geld mit einem Beruf verdienen kann, der mir Spass macht. Es ist schön, wenn man viele Platten verkauft und eine Menge geld verdient aber am Ende des Tages bekomme ich meine Motivation aus dem, was ich mache.

AP Es gibt eine Menge leute, die durch Deine Stimme inspiriert und beeinflusst wurden. Welchen Rat kannst Du ihnen geben, wenn sie ins Musikgeschäft einsteigen wollen?
AS Glaube an dich und arbeite hart. Heutzutage gibt es nichts umsonst. Stelle sicher, dass Du dich mit Leuten umgibst, denen Du etwas bedeutest. Am wichtigsten ist es, positiv zu bleiben, dann gehen die Türen irgendwann von alleine auf.

AP Zu guter letzt... Du hast mit fast allen großen Namen gearbeitet - gibt es noch jemanden, mit dem Du unbedingt arbeiten willst?
AS Ich würde gerne Chris Cornell von Soundgarden treffen. Ich denke er ist absolut phänomenal. Er ist ein hervorragender Songwriter. Es gibt jede menge Produzenten und Künstler, aber der beeindruckt mich wirklich.

Andrew Strong
tauchte auf der
Bildfläche auf, als er
-gerade mal 16 Jahrealt-
Deco Cuffe in
The Commitments
spielte.
Aubrey Parsons hat in
Dublin einige Guinness
mit Andrew getrunken
und ihngefragt,
was er so vor hat…