Interview mit Adrian Smith: Entfesselt das Biest

PowerOn sprach mit Iron Maidens Gitarrist Adrian Smith über die Renaissance der Band und darüber, wie Roland Equipment ihren Sound geformt hat.

Um eine Karriere im Rock-Business über fast ein Vierteljahrhundert aufrechtzuerhalten, muss man vielen Stürmen trotzen. Und wenn Iron Maiden mal durchhingen weil eines ihrer Alben mal nicht schwindelerregende Verkaufszahlen erreichte, so hat doch das Durchhaltevermögen der Band alles überstanden, was in den Jahren auf sie zukam, und jetzt sind sie sogar wieder so weit oben wie noch nie zuvor.

Mit der Veröffentlichung von A Matter Of Life And Death im Jahr 2006, verstärkten Maiden wieder einmal ihren Ruf als einer der besten weltweiten Metal Acts. In den Monaten nach der Veröffentlichung tourte die Band durch ausverkaufte Stadien und Hallen in den USA und Europa. PowerOn traf sich mit dem langjährigen Maiden-Gitarrist Adrian Smith gegen Ende der Tour im Earls Court in London, um über Maiden und Adrians fortdauernde Liebesbeziehung zu Roland Gitarren-Synthesizern zu sprechen... 

Ihr seid jetzt am Ende einer sehr erfolgreichen Reihe von Gigs. Erzähl uns von der Tour!
Adrian: Es war großartig - A Matter Of Life And Death lief besser als alles, was wir gemacht haben, seit ich wieder zurück in der Band bin [Adrian verließ 1990 die Band und kehrte 1999 zurück]. Die Resonanz war fantastisch. Und wir haben während der Tour sogar das komplette Album von Anfang bis Ende gespielt, gefolgt von ein paar alten Hits in der Zugabe. Es hat wirklich Spaß gemacht.

Es gab in den letzten Jahren so viele neue Bands, und obwohl da einige wirklich gute Acts dabei waren, kommen doch viele Kids zu einer Maiden Show, die noch nie ein Gitarrensolo, Songs mit einer guten Melodie oder die durchgängige Härte vieler unserer Songs gehört haben. Daher glaube ich, das wir immer noch einiges anders als Andere machen. Wir waren ja  auch niemals auf der Anti-Rockstar, Anti-Musiker oder Anti-Spaß Schiene.


Du bist immer deinen eigenen Weg gegangen. Glaubst du, das ist auch ein Grund für deinen langanhaltenden Erfolg?
Adrian: Ich glaube schon. In den 90ern wechselten alle zu den runtergestimmten Gitarren und so, aber das war nicht unser Ding, also ließen wir es sein. In den 80ern waren wir sehr erfolgreich in Amerika, aber wir hätten sechsmal soviel verkaufen können, wenn wir ein paar radiotauglichere Songs aufgenommen hätten. Aber das ist nicht das, wofür Maiden steht, also ließen wir es ebenfalls sein.


Ich glaube die Leute rechnen uns das an. Sie wissen, wofür wir stehen und das wir immer unseren Weg gegangen sind. Wir wurden noch nie von einer Plattenfirma kontrolliert, wir haben noch nie jemanden in unserer Studio gelassen, und wir haben auch niemals jemanden in unsere Musik reinquatschen lassen. Nicht mal unseren Manager. Wir tauchen dann einfach auf, und sagen:“ Hier ist die Platte, dann mach mal los...“

Erzähl uns etwas über das Songwriting von A Matter Of Life And Death. Du hast ja an fast der Hälfte der Tracks mitgeschrieben, oder?
Adrian: Ja, ich habe eine ganze Menge Musik für dieses Album geschrieben, Bruce [Dickinson, Frontmann der Band] brachte die Lyrics and Steve [Harris, Bass] schrieb eine Menge der Melodien.

Es hat sich insofern etwas geändert, da Steve seine Songs teilweise komplett fertig hat – er ist jetzt also genauso sehr Arranger wie Songwriter. Aber ich habe sehr viel mitgeschrieben und vieles davon auch zuhause.

Ich liebe es, sehr ausgefeilte Sachen mit einzubringen und der Roland GR-20 ist dafür ideal. Ich spiele keine Keyboards, daher ist die Möglichkeit, Strings oder beliebige andere Klänge mit der Gitarre spielen zu können fantastisch, da ich so auch an den kompletten Arrangements und nicht nur an Songideen arbeiten kann.


Hat sich dein Songwriting im Laufe der Jahre sehr verändert?
Adrian: Als ich in die Band zurückkehrte, waren eine Menge meiner Ideen noch aus der Ursprungszeit. Aber davon blieb nicht viel haften – ich bin mit UFO, Thin Lizzy und Sachen von Hendrix, wie Hey Joe und Voodoo Chile aufgewachsen. Vieles davon sind sehr melodiöse Drei-Minuten Songs – aber die Band hatte sich weiterentwickelt.

Wir sind jetzt eher eine Prog Metal Band. Und meine damaligen Songs waren mehr wie meine Sachen aus den 80ern – kurze, druckvolle Rocksongs.

Ich habe mein Songwriting also allmählich verändert – es ist jetzt nicht mehr nur Verse/Chorus/Bridge-Variationen. Ich bringe jetzt Taktwechsel mit ein, und füge Elemente unterschiedlichster Stile hinzu. Das ist wirklich großartig, denn wir können damit bewusst in jede Richtung gehen.


Synth-Klänge spielen ja auch oft eine große Rolle in progressivem Rock...?
Adrian: Das ist wahr, und daher benutzte ich auf dem Album den Roland GR-20 um eine noch größere Bandbreite für meine ambitionierten oder komplexen Parts zu bekommen.
Es gibt Momente, in denen ich Dinge machen möchte, für die ich eine Ewigkeit auf dem Keyboard brauchen würde; aber mit dem Guitar-Synth kann ich sie sofort spielen. Auf den neuen Geräten ist das Tracking großartig – viel, viel schneller als auf allen vorhergehenden Geräten. Und genau hier liegt der Unterschied im Studio und auf der Bühne.

Wann hast du die ersten Roland Guitar-Synths ausprobiert?
Adrian: Das war in den frühen 80ern, als wir das erste Mal in Japan spielten. Ich hatte die Roland Bügelgitarre und das massive Board [das  legendäre  G-707 und GR-707). Ich habe es sogar immer noch.


Wenn es an die Arbeit für ein neues Album geht, hole ich mir gerne neue Pedale oder so, um zu sehen, ob sich ein Funke für eine neue Idee entwickelt.  Als ich also den Synth in Japan bekommen hatte, nahm ich ihn mit nach Jersey an den Platz, an den wir zum Schreiben gehen. Ich stöpselte den Synth ein und daddelte ein bisschen drauflos, ohne genau zu wissen was ich tat, als plötzlich dieser Sound kam und ich anfing dieses Riff zu spielen. Ich machte damit dann weiter, und es wurde Wasted Years daraus [vom Album Somewhere in Time]. Hätte ich den Synth nicht gehabt, wäre ich da nie drauf gekommen.


Nach welchen Sounds suchst du am meisten auf dem GR-20?
Adrian: Alle Sounds auf dem neuen Synth sind wirklich gut. Besonders die Stringsounds sind fantastisch und ich benutze einige von ihnen beinahe regelmäßig. Die Auswahl der Klänge ist ebenfalls großartig – wir haben eine B-Seite mit einer Version von Deep Purple’s Space Truckin’ gemacht. Ich benutzte einen Orgelsound vom GR-20, der perfekt zu dem Track passte. Keiner konnte hinterher glauben, woher dieser Sound kam.


Und du benutzt den GR-20 ja auch auf der Bühne...?
Adrian: Yeah, bei vier Songs im aktuellen Set. Ich halte es sehr einfach auf der Bühne. Ich habe eine Marshall 4x12 Box als Monitor für die Synth-Sachen, dann geht es nach draußen zum Frontmix. Der Synth-Sound liegt dabei direkt unter den E-Gitarrensounds.


Eine Maiden Show ist so voller Energie, und überall fliegen Leute herum, so dass ich nicht stillstehen kann um wirklich präzise zu spielen. Aber das Tracking ist inzwischen gut genug, da kann ich auch ein bisschen rumeiern und es funktioniert immer noch perfekt.

Text: PowerOn